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Wednesday, April 9, 2014

THE LESSON OF ST. VICTOIRE






http://handkeonline.onb.ac.at/search/node/Lehre%20der%20Sainte-Victoire%20lautet



  1. DIE LEHRE DER SAINTE-VICTOIRE - DRUCKFAHNEN 3. LAUF, 1980

    Der dritte Lauf der Druckfahnen von Die Lehre der Sainte-Victoire im Bestand des Siegfried Unseld Archivs am Deutschen ...
  2. DIE LEHRE DER SAINTE-VICTOIRE (TEXTFASSUNG 1), TYPOSKRIPT 1-ZEILIG, MIT HS. KORREKTUREN VON PETER HANDKE, [32 BLATT], [04].03.1980 BIS 12.04.1980

    ... Die Lehre der Sainte-Victoire ...
  3. DIE LEHRE DER SAINTE-VICTOIRE - TYPOSKRIPT 1-ZEILIG, 1980

    ... Das Typoskript der ersten Textfassung von Die Lehre der Sainte-Victoire ist nicht öffentlich zugänglich und befindet sich ...
  4. DIE LEHRE DER SAINTE-VICTOIRE - LANDKARTE, 1979

    Diese Landkarte der Gegend um Aix-en-Provence ist eine von zwei in der Sammlung Peter Handke / ... Werkbezüge Die Lehre der Sainte-Victoire - Landkarte, 1979 ...
  5. DIE LEHRE DER SAINTE-VICTOIRE - NOTIZBUCH, 1979

    ... Vorüberlegungen und die Idee zu seinem Werkprojekt Die Lehre der Sainte-Victoire erstmals konkret fassbar. Ein Werktitel ist auf dem ...
  6. DIE WIEDERHOLUNG; KINDERGESCHICHTE; DRAMATISCHES GEDICHT; DIE LEHRE DER STE VICTOIRE; ÜBER DIE DÖRFER, NOTIZBUCH, 190 SEITEN, 07.11.1979 BIS 30.10.1980

    ... « ,  » Dramatisches Gedicht « ,  » Die Lehre der Ste Victore « und » Über die Dörfer « . Der letzte ... er sich ganz auf seine Erstfassung von Die Lehre der Sainte-Victoire und notiert nur nebenbei zu Über die Dörfer . Als die ...
  7. AIX-EN-PROVENCE 3-4, LANDKARTE, MIT EH. BLEISTIFTNOTIZEN AUF DER RÜCKSEITE, 1 BLATT, OHNE DATUM [03.07.1979 BIS 05.07.1979]

    ... Die Lehre der Sainte-Victoire ...
  8. DER MORZGER WALD BEI SALZBURG

    ... In der Lehre der Sainte-Victoire (1980), dem ersten in Salzburg entstandenen Buch, ...
  9. SALZBURG, MÖNCHSBERG 17A (1979-1987/9)

    ... des befreundeten Ehepaars Hans und Gerheid Widrich auf der Richterhöhe, Mönchsberg 17a. Nach den acht Schuljahren ging seine Tochter ... Roman Langsame Heimkehr (1979) vorbereitet. In der Lehre derSainte-Victoire (1980), dem ersten in Salzburg entstandenen Buch,


Die Erzählung Langsame Heimkehr endet, als das Flugzeug zur Landung auf dem Kontinent ansetzt. Der erste Satz der Lehre der Sainte-Victoire lautet: »Nach Europa zurückgekehrt, brauchte ich die tägliche Schrift und las vieles neu.« Aus Sorger, dem »Helden« der Langsamen Heimkehr, ist der Autor geworden, der sich nach dem Recht zu schreiben fragt. Nicht in Form eines Traktates, sondern als eine Erzählung von Wanderungen in der Provence — von den Auseinandersetzungen mit dem Mont Sainte-Victoire und dessen Abbildern, »Verwirklichungen«, auf den Gemälden Cézannes—, zum Mont Valérien in Paris oder »auf« den Havelberg in Berlin und — schließlich — im Morzger Wald bei Salzburg. Die zweite Begegnung mit der Sainte-Victoire und Cézanne, »dem Menschheitslehrer der Jetztzeit«, erlaubt es Handke, eine Poetik, seine Poetik, zu schreiben als die »Lehre« der Sainte-Victoire. Das »Recht, zu schreiben« gründet sich für ihn auf die Erfahrung des Zusammenhangs, 
der Verwandtschaft, zwischen dem Ich und den Dingen; Ziel des Autors Peter Handke ist es, »diesen Zusammenhang, in einer 
treuestiftenden Form!, weiterzugeben«. 



Provocative, romantic, and restlessly exploratory, Peter Handke is one of the great writers of our time. Slow Homecoming, originally published in the late 1970s, is central to his achievement and to the powerful influence he has exercised on other writers, chief among them W.G. Sebald. A novel of self-questioning and self-discovery, Slow Homecoming is a singular odyssey, an escape from the distractions of the modern world and the unhappy consciousness, a voyage that is fraught and fearful but ultimately restorative, ending on an unexpected note of joy.
The book begins in America. Writing with the jarring intensity of his early work, Handke introduces Valentin Sorger, a troubled geologist who has gone to Alaska to lose himself in his work, but now feels drawn back home: on his way to Europe he moves in ominous disorientation through the great cities of America. The second part of the book, “The Lesson of Mont Sainte-Victoire,” identifies Sorger as a projection of the author, who now writes directly about his own struggle to reconstitute himself and his art by undertaking a pilgrimage to the great mountain that Cezanne painted again and again. Finally, “Child Story” is a beautifully observed, deeply moving account of a new father—not so much Sorger or the author as a kind of Everyman—and his love for his growing daughter.

QUOTES

Moving and powerful…with the freshness that only an extraordinary writer can impart.
— Los Angeles Times
There is no denying Handke’s willful intensity and knife-like clarity of emotion. He writes from an area beyond psychology, where feelings acquire the adamancy of randomly encountered, geologically analyzed pebbles…The best writer, altogether, in his language.
— John Updike, The New Yorker
A leading literary figure in the first generation of Germans to grow up after the war…He is a man of real intellectual power and sometimes visionary insight. His fingers are never far from the pulse…Slow Homecoming is…a difficult, contested, intellectual, and spiritual journey which it is impossible not to respect and honor…In short, it presents a trayful of the prime hors d’oeuvres of life in our merry postmodern age.
— The Washington Post
Slow Homecoming, Peter Handke as German literature’s last surviving romantic, a modern day solitary-cum-nature poet…An intense and utterly absorbing book.
— The Sunday Times (London)
http://www.nybooks.com/books/imprints/classics/slow-homecoming/

http://handkeonline.onb.ac.at/search/node/die%20lehre%20der%20st.%20victoire





Die Lehre der Sainte-Victoire Quotes

Die Lehre der Sainte-VictoireDie Lehre der Sainte-Victoire by Peter Handke
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Die Lehre der Sainte-Victoire Quotes (showing 1-1 of 1)
“Ich spüre das Unwissen immer wieder als eine Not; und daraus entsteht dann der ziellose Wissensdrang, aus dem keine Idee wird, weil er eben keinen 'Gegenstand' hat, mit dem er 'übereinstimmen' könnte. - Aber dann gibt vielleicht ein einzelnes Ding etwas zu verstehen und setzt so den 'Geist des Anfangs'; und es kann ernst werden mit dem Studieren, das doch bei aller sonstigen Beschäftigung eine Sehnsucht geblieben war."

Peter Handke: Die Lehre der Sainte-Victoire. Frankfurt am Main 1984, S. 28.”
― Peter HandkeDie Lehre der Sainte-Victoire

http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen/vorlesungen/20JhdtLiteratur/XHandke.pdf







Leseprobe







INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung
2 Handke im Vergleich mit Cézanne
3 Ausgewählte Bilder im Detail
3.1 Le grand Pin
3.2 Rochers près des grottes au-dessus de Château Noir
3.3 Mont Sainte-Victoire
4 Weitere Realisierung der Prinzipien Cézannes
5 Der Übergang
6 Literaturverzeichnis

1 EINLEITUNG

Das hier besprochene Werk Peter Handkes ist der zweite Band der 'Tetralogie' getauften Reihe bestehend aus: Die langsame Heimkehr (1979), Die Lehre der Sainte-Victoire (1980), Die Kindergeschichte (1981), Über die Dörfer (1981).
Die Erzählung unterteilt sich in neun Kapitel, deren Überschriften subjektive und erfundene Ortsangaben sind. Die darin geschilderte Handlung ist wohl am ehesten als fragmentarisch zu bezeichnen. Eine Zusammenstellung von Wanderberichten in der Montagne Sainte-Victoire (auf welche schon der Titel verweist) und wenigen anderen Gebieten, Bildrezeptionen Cézannes, unzähligen – assoziativen - autobiographischen Erinnerungen und sonstigen Reflexion eines Ich-Erzählers. Seine Gedanken beziehen auch unzählige Ansätze von Philosophen (Heidegger, Nietzsche, Spinoza, Lacan, ...) und Schriftstellern (Stifter, Goethe, ...) mit ein; es werden aber in den seltensten Fällen direkt Namen oder Quellen genannt. Klar und eindeutig ist jedoch der Bezug auf Cézanne. Damit steht die Lehre der Sainte-Victoire [1] klar in der Tradition der ut pictura poesis [2] . Es werden die "Erkundung der Kunstprinzipien Cézannes und zugleich Übersetzung insofern, als in der literarischen Form auch die poetische Realisierung der ästhetischen Vorstellungen Cézannes versucht"[3]. Damit schließt Handke an eine (in Deutschland) mit Rilke beginnende Cézanne-Rezeption an[4].

2 HANDKE IM VERGLEICH MIT CÉZANNE

Der französische Maler Paul Cézanne sprach sich vehement gegen ein "zweckorientiertes Sehen" (innerhalb der Kunst) aus. Seine Konzentration lag auf der rein visuellen Seite des Sehens, denn ein bildnerischer Künstler habe sich nicht vom konkreten Naturstudium zu entfernen. Weiter wehrte er sich gegen eine Vorinterpretation der Wirklichkeit für den Betrachter durch den Maler.
Aus einer ähnlichen Position übt Handke Kritik an "(politisch) engagierter Literatur". Gegen die "Macht der die Wirklichkeit ordnenden, vermeintlich natürlichen Verhaltens- und Zeichensysteme, die [...] die Kontaktaufnahme des Individuums mit der Außenwelt vorab [zu einem bestimmten Zweck] normieren und lenken, indem sie subjektive Erfahrung in 'vorgeprägte Apperzeptionsschablonen' einrasten lassen."[5] Da die Sprache durch die Wirklichkeit vorgeprägt wird, verstellt sie den direkten Wirklichkeitszugang für das Individuum.
Kunst habe somit "phänomenologisch exakt und intentionslos" das Wahrnehmbare zu beschreiben. In Die Lehre der Sainte-Victoire werden zur Verwirklichung dessen vor allem Naturphänomene (beziehungsweise als "naturnah" empfundenes) für Gleichnisse herangezogen, wie an folgender Textstelle aus dem Schlusskapitel deutlich wird:
"Auffällig, schon auf dem Weg dahin, die rundlichen Steine unter dem Gras, regelmäßig und dichtgefügt, wie ein Kopfsteinpflaster. Sie sind vielfarbig, und die Moosflechten haben in jeden einzelnen eine deutliche Bilderschrift geätzt, von einem zum anderen
völlig verschieden, wie Überlieferungen aus getrennten Erdteilen. Ein roter glockenförmiger Buckel wiederholt im Kleinen einmal den australischen Ayers Rock, den größten Einzelberg der Erde; auf einem anderen steht eine indianische Jagderzählung. In der Dämmerung, wenn das Pflanzenwerk darüber verschwindet, offenbaren sich diese Steine als Geheimschrift und leuchten als eine düsterweiße, waldeinwärts führende Römerstraße."
(LSV 101f)
Außerdem war Cézanne von der Ewigkeit des Seins überzeugt. Zuerst glaubte er diese in Gott (darin ähnelt er der Philosophie Spinozas, dem Handke in der Lehreein eigenes Kapitel widmet[6] ). Später in der Wirklichkeit der Welt, welche er mittels seines unverkennbaren Stils als einen "neuartigen Zusammenhang und ein Zusammenbestehen der Dinge"[7] darstellt. Sein erklärtes Ziel ist es diesen "in der Wirklichkeit geschauten Zusammenhang der Dinge in eine parallele [...] unabhängige Bildkonstruktion eigener Gesetzlichkeit zu übertragen"[8].
Für die Darstellung des Zusammenhangs spielen Farben, welche er durch Intervallbeziehungen (analog musikalischer Strukturen) miteinander verbindet, eine große Rolle. So wird der (ursprünglich musikalische) Begriff "Modulation" prägend für seinen Stil; selbst bezeichnet er ihn als 'Realisation'. Cézanne gestaltet seine Leinwand mittels farbiger Flecken ("tâches"), welche erst in der Gesamtheit ihrer Beziehungen zueinander betrachtet erkennbare Elemente der Wirklichkeit in Erscheinung treten lassen. Dies ist sein unverkennbarer Stil, der sich zunehmend aus dem Bemühen um Raumreduktion (bzw. der Unterdrückung eines graphischen Illusionsraums) entwickelt. Denn nach Cézannes Anschauung ist die Natur sowohl außerhalb, als auch innerhalb des Menschen. Eine Trennung von Ich und Außenwelt (= Subjekt und Objekt) ist daher entschieden abzulehnen und zu vermeiden. Daher verzichtet er bewusst auf Mittel der zentralperspektivischen Bildorganisation (Verminderung der Konvergenz von Fluchtlinien, Streckung ihrer Winkel, stärkere Aufsicht, Verminderung des perspektivischen Größenkontrasts, Absenken des Bildvordergrunds, ...)
[...]

[1] Im Folgenden mit LSV abgekürzt.
[2] Beziehung zwischen Dichtung und Malerei (nach De arte poetica von Horaz)
[3] Schlieper, Ulrike: Die „andere Landschaft“. Handkes Erzählen auf den Spuren Cézannes.
Diplomarbeit. – Münster; Hamburg: Lit 1994 – S. 49
(Zeit und Text. Münstersche Studien zur neueren Literatur. Hg von Ernst Ribbat und Lothar Köhn.
Band 4)
[4] vergleiche: Flaker, Aleksander: Die Lehre der Sainte-Victoire. Die Literatur und Cézanne. – In:
Borchmeyer, Dieter (Hg.): Poetik und Geschichte. Viktor Žmegač zum 60. Geburtstag. – Tübingen:
Niemeyer 1989 – S. 465-473; S. 473
[5] Schlieper: S. 73
[6] Die Hochebene des Philosophen – LSV 37ff
[7] Schlieper: S. 34
[8] ebd.



unter Schäble über Peter Handke: Die Lehre der Sainte-Victoire

Von Schäble, Gunter
Vom Himmel durch die Welt zur Helle Gunter Schäble, 42, ist Literatur-Redakteur beim Baden-Badener Südwestfunk. - Peter Handke, 38, veröffentlichte zuletzt die Erzählung "Langsame Heimkehr".
Als Rezensent liest man ein Buch drei-, viermal, oder? Ein dünnes wie dieses noch öfter. Beim ersten Mal hegt man noch deutliche Gedanken, die man nicht zu Papier bringt, aus Sorge, es könnten keine sein -- womit man die Chance verpaßt hat, etwas Wertvolles zu schreiben. Beim zweiten Mal fühlt man sich von der sogenannten Verantwortung vor dem Leserpublikum bedroht, beim dritten Mal schwächt sich diese Bedrohung aber wieder ab, und bei oder nach dem vierten Mal möchte man zumindest dieses dünne Buch, das aussieht wie eine Geburtstagsgabe für Ernst Jünger, beiseite legen und "Die Geschäfte des Dagobert Duck" lesen.
Es handelt sich bei dieser Empfehlung aber höchstwahrscheinlich um die "subjektive Langweiligkeit" (des Rezensenten), die Schopenhauer ohne weiteres der "objektiven Langweiligkeit" (des Buches) gegenübersetzt: "Die subjektive Langweiligkeit hat ihren Grund im Mangel an Interesse für den Gegenstand, beim Leser; dieser aber in irgendeiner Beschränktheit desselben."
Die geht bei dem dünnen Buch "Die Lehre der Sainte-Victoire" so weit, daß zum Beispiel ich nicht einmal genau wiedergeben könnte, was drin steht. Auch verstehe ich den Titel nicht und meine immer, das Buch müßte "Wie mir die Lehre der Sainte-Victoire zuteil wurde und ich den Ruf vernahm, sie zu predigen" heißen oder "Wie ich wieder einmal ein völlig anderes Buch schrieb als alle meine Kollegen" oder "Wie bei mir Weitgereistheit, umfassende Reflektiertheit, Dichtertum, Erdverbundenheit und Demut eine überaus komplizierte und doch schlichte Verbindung eingingen".
Auch kam ich über den ersten Satz des Buches nie wirklich hinweg: "Nach Europa zurückgekehrt, brauchte ich die tägliche Schrift und las vieles neu."
Muß man ein Buch, das in seinen ersten zwei Zeilen die Bescheidenheit des Papstes, die Herablassung Zarathustras, die Aufgeblasenheit der Leere, die Fülle des Nichts, die Vogelschau der Froschperspektive, die Gleichgültigkeit der Wichtigkeit, die Abgeklärtheit des Alltäglichen, den Atlantik und die Kontinente und auch die garantierte Unalltäglichkeit der außerhalb Europas verbrachten Zeit umfaßt und in der eigenen Souveränität konzentriert, nicht mit äußerster Behendigkeit beiseite legen, wenn man nicht Schaden an seiner Leserseele nehmen will? Läßt sich die durch einen solchen Satz mißgünstig gewordene Meinung überhaupt noch einmal korrigieren?
Es ist natürlich gleich klar, daß hier jemand etwas extrem Kostbares mitzuteilen sich anschickt, es aber ganz behutsam tut, damit die Leser, unter die er seine Perlen wirft, sich nicht als Säue vorkommen.
Etwas Zartes, Lichtes, Schönes, Weiches wird sich ausbreiten, ein Erwachsenwerden, ein Erwachen und Reinwerden in Freude, ein Einswerden mit dem Seienden, mit den Kräften der Natur und den Werken von Menschenhand, ein Dom wird sich wölben über einem dichterischen Schaffen, und ich werde es nicht kapieren, wie ich schon den ersten Satz nicht kapiert habe, und mich verholzt und böse, übellaunig und platt, entfremdet und stumpf fühlen vor dem verhaltenen Leuchten des Knopfes, der dem Handke doch so unleugbar aufgegangen ist.
Und alle Rezensenten bisher haben es gemerkt und sind ganz unaggressiv geworden davor. Ich hingegen komme mir tatsächlich wie die Sau vor, die die Perle verschluckt und allenfalls merkt, daß da was war, was sonst nicht im Futter ist.
Die Sainte-Victorire ist ein Bergzug in der Provence. Cezanne hat ihn gemalt, Handke hat ihn erschaut und erwandert. Als Cezanne ihn gemalt hatte, konnte Handke ihn erschauen. Cezanne wußte nicht, daß seine Bilder eines Tages noch einmal zu etwas gut sein würden. Er hat nur gemalt und ist dabei der alte geblieben. Handke ist einen Schritt weitergegangen; er ist geworden, was in seinem gleichnamigen Theaterstück Kaspar immer nur werden wollte: ein anderer. Er hat erkannt, was es mit den Bildern Cezannes auf sich hat, und die Konsequenz daraus gezogen. Er fand heraus, daß die späteren Bilder Cezannes die "Verwirklichung des reinen, schuldlosen Irdischen" waren, und wurde im Frühjahr 1978 von "Studierlust" ergriffen. Cezanne erschien ihm "als ein Menschheitslehrer -- ich wage das Wort: als der Menschheitslehrer der Jetztzeit". Gleichzeitig studierte er "den Philosophen", in welchem klügere Rezensenten Spinoza erkennen, Stifter, Goethe, Ludwig Hohl und Christian Wagner.
Aber er brachte auch selbst schon einiges mit: Erlebnisse in Oberösterreich, Jugoslawien und Südfrankreich. In Oberösterreich sah er einen Mann mit um die Knöchel flatternden Hosen die Straße entlanggehen, "zu meiner Freude". In Jugoslawien konnte er sich unter Zypressen eine "vernünftige Freude" denken, und "der Mensch, der ich war, wurde groß, und zugleich verlangte es ihn auf die Knie, oder überhaupt mit dem Gesicht nach unten zu liegen, und in dem allen niemand zu sein". In Südfrankreich schließlich war eine Frau "fähig, unscheinbare Dinge gern zu haben". Vorübungen sozusagen, Vorahnungen für das, was ihm dann, nach den Cezanne-Studien, wurde: das Zuhausesein in den Farben auf dem Weg zwischen Aix-en-Provence und Le Tholonet.
Ein "Beseligungsmoment", ein "stehendes Jetzt". Der Dichter Handke wandelte sich. Der Maler Cezanne hatte parallel zur Wirklichkeit gemalt; die alltäglichen Dinge in ihrem Schweigen. Handke war "im Reich des großen Malers von Tag zu Tag unsichtbarer geworden". Er ging nun daran, die Lehre des Malers und die des Philosophen S.214 zu verschmelzen: sich selbst, die Bilder und den Berg als zum Seienden gehörend zu empfinden und darin aufzugehen: darin unsichtbar zu werden, die knöcherne Schale des Individualismus aufzubrechen, den der Natur sich entgegensetzenden Gutachterstandpunkt aufzugeben und eben eins zu werden mit den Dingen, die wiederum eins sind mit Gott und jetzt eben mit Handkes Ideen. Sich zu verströmen vielleicht. Handke sive natura.
Aber es könnte sich auch ganz anders verhalten. Ich habe natürlich längst nicht alles ganz richtig verstanden, wie schon gesagt, und nur widerwillig zitiert, weil mich jeder Satz des Buches immer fürchterlicher an den ersten Satz erinnert hat. Aber man darf auch nicht immer nur verstehen wollen. Wer nämlich immer nur verstehen will, der versteht rein nichts, lehrt das Buch unter anderem, glaube ich.
Öffnen muß man sich, öffnen für das, was Handke "von dem Berg Cezannes weiterzugeben" hat: Das Ich des Buchs, das erst ein junger französischer Maler sein sollte, dann ein deutschsprachiger. Aber dann hätten die Kritiker nur wieder geschrieben, daß hinter diesem Ich die Züge des Verfassers durchschimmerten. Also fiel die Wahl des Schriftstellers gleich auf sich selbst. Handke wurde Ich, und das Ich wurde Stifter, und Stifter wurde Spinoza, und Spinoza wurde Cezanne und wurde Faust und wurde Antigone.
Auch Faust hatte an seinem "stehenden Moment" gearbeitet.
"In jenem sel'gen Augenblicke / Ich fühlte mich so klein, so groß", stammelte er nach der Erscheinung des Geistes. Der trockene Schleicher Wagner störte aber die Fülle der Gesichte, und Faust mußte "zurücke ins ungewisse Menschenlos".
Handkes Fülle der Gesichte wurde sogar zweimal gestört: durch einen haßerfüllten Hund in der Nähe der Sainte-Victoire und durch den Anblick der "versteinerten" BRD. Aber Handke, anders als Faust, sagte sich: "Für das, was ich vorhabe, darf ich nicht hassen", obwohl er nicht, wie Antigone, einen Bruder begraben wollte, sondern nur "unter der Erde pflügen". Er konnte also seinen Moment ausdehnen; er dauert vermutlich immer noch an, und die Beschreibung des Morzger Waldes, nahe Salzburg, das letzte Kapitel des Buches, ist höchstwahrscheinlich ein Exempel dafür: wenn man schreibt, wie Cezanne gemalt hat, schreibt man so.
Übrigens könnte die Funktion des bösen Hunds und der versteinerten BRD auch eine rein kompositionstechnische sein, eine sozusagen kontrapunktische: das düstere Nebenthema im freudig dahinströmenden sinfonischen Ecksatz, wo es dann im Konzertführer immer heißt: "Die beseligende Ruhe des von den Geigen vorgetragenen Hauptthemas wird jäh unterbrochen S.215 von den drohenden Schicksalsrufen der Posaunen und Bässe. Erst allmählich blüht in den Holzbläsern die beglückende Naturstimmung wieder auf. In wechselvollem Auf- und Niederschweben der Empfindungen, aber stets voller Zuversicht, erfüllt vom Glauben an Glück und Schönheit, klingt der Satz aus."
Das Buch ist damit natürlich noch längst nicht beschrieben. Ich komme daher jetzt zu einer Theorie über das Buch, die ich jederzeit wieder fallenlassen kann. Es ist vielleicht auch wieder nur eine Vermutung. Sie geht so: Der Schriftsteller hat dieses Buch und möglicherweise auch manche seiner früheren, dieses aber speziell, so geschrieben, weil alle anderen Schriftsteller ihre Bücher so schreiben, wie er sie nie schreiben würde. "Warum wird mir, sowie ich selber auch nur einen einzigen mich beklagenden, mich oder andere beschuldigenden oder bloßstellenden Satz hinschreibe, buchstäblich schwarz vor den Augen?" fragt er sich. Die anderen machen das tatsächlich, und sein Buch ist allein schon insofern etwas ganz anderes, weil einmal keine Freundin einen Autor verläßt und er daraus die Kraft zum Beschreiben dieser Tatsache schöpft und auch kein Soziologiestudent Berlin nach 12 Jahren desillusioniert wiedererlebt. Aber diesen Satz meine ich gar nicht, da er ja nicht Bestandteil der Methode, sondern Beschreibung der Absicht der anderen ist, die Handke nicht hat.
Klar allerdings, daß er grad zum Fleiß von "wilder Dankbarkeit" schreibt, von "Daseinsfreude", "vernünftiger Freude", "Lernbegier", "Studierlust", vom Bedürfnis zu loben und zu preisen und daß er stolz auf sich war und von einem "frischgrünen Pinienzapfen" abbeißt. Ich denke, daß Handke auf irgendeine telepathische, aber untrügliche Weise erfährt, wo die Hauptmacht der Literaten samt mitgeführtem Zeitgeist jeweils steht -- zur Zeit also zwischen Apo-Kater, gesellschaftspolitischer Verbiesterung, Innerlichkeit, Selbsterfahrung, Väterbetrachtung und eiserner Hingabeentschlossenheit --, um sich jeweils sofort an deren Spitze zu setzen und aus weiter Ferne sanft auf sie zurückzulächeln, während lediglich noch die atemlosen Kritiker mit ihm Schritt zu halten versuchen. So kann er den Eindruck erwecken, er ginge in die umgekehrte Richtung, während in allen seinen Büchern das, was die Kollegen treiben, als Negativform dennoch vorhanden ist.
An Methoden wendet er an: die Vermeidung des naheliegenden Ausdrucks, die ostentative Verwendung des nächstliegenden Ausdrucks, die mit zartem Nachdruck vorgeführte Präpotenz, die Preziosität, die schonungslos diskrete Offenheit und die Unsäglichkeit, schließlich die Verwandlung einfacher Ereignisse und Beobachtungen in Offenbarungen, aber alles ganz leise und S.216 bittend, denn "mein Ideal waren seit je der sanfte Nachdruck und die begütigende Abfolge einer Erzählung". "Jede gesuchte Ferne vermeidend", aber eben keine gesuchte Empfindung, wandelt der Dichter mit bedächt'ger Schnelle vom Himmel durch die Welt zur Helle, an allen verfügbaren Personen den Entwicklungsstand seines Freudigwerdens testend: am Vater ("Die halbherzige Fragerei wich dem Geist das Fragens, und ich konnte das lang Verschwiegene fordern"); an einem Freund, dessen Tod ("er hatte ihn doch bis zum letzten Moment wegwollen") ihn zur Freude am eigenen Dasein anstachelt und mehr noch dazu, die Formulierung "er fürchtete sich vor dem Tod" wegzuwollen; an der eigenen Kindheit, die er natürlich seine "Vergangenheit" nennt, weil a Kindheit hat a jeder.
Er ist leise zu sich; grazil und doch männlich geht er mit sich um; er ist ja jetzt ein Gefäß. Er gibt sogar zu, daß er sich gern unter einer Holztreppe verbergen möchte. Er ist freundlich zu seiner Umgebung. Was ihm an Stichworten gereicht wird, nimmt er gern entgegen. Er überragt uns Unterholz zwar, indem er durch Spinoza, Cezanne, Goethe und Stifter Allvater wird, der die Erde küßt wie eine sonnentrunkene Zypresse, aber er verachtet uns deswegen nicht. Er ist nur ein bißchen traurig, weil wir ihm noch nicht so ganz folgen können, da wir, im Gegensatz zu ihm, noch den Straßenlärm hören. Aber er fragt uns dennoch, ob wir Leser ihm das Recht zu schreiben erteilen wollen. "Warum sage ich: Recht zu schreiben?" fragt er ernst. Ja, sagen wir, ein Dichter, der so was erlebt, der kann gar nicht anders, sagen wir. Er hat diese Antwort erwartet.
Zusammenfassendes fällt mir nicht ein. Wahrscheinlich habe ich das Buch auch nie als etwas Ganzes erlebt: überhaupt nicht als Etwas. Es scheint tatsächlich eine Art Negation zu sein, aber eine in Freude. Eine Abwesenheit des Dichters von uns.
DER SPIEGEL 50/1980
Alle Rechte vorbehalten
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http://www.nybooks.com/books/imprints/classics/slow-homecoming/


Provocative, romantic, and restlessly exploratory, Peter Handke is one of the great writers of our time. Slow Homecoming, originally published in the late 1970s, is central to his achievement and to the powerful influence he has exercised on other writers, chief among them W.G. Sebald. A novel of self-questioning and self-discovery, Slow Homecoming is a singular odyssey, an escape from the distractions of the modern world and the unhappy consciousness, a voyage that is fraught and fearful but ultimately restorative, ending on an unexpected note of joy.
The book begins in America. Writing with the jarring intensity of his early work, Handke introduces Valentin Sorger, a troubled geologist who has gone to Alaska to lose himself in his work, but now feels drawn back home: on his way to Europe he moves in ominous disorientation through the great cities of America. The second part of the book, “The Lesson of Mont Sainte-Victoire,” identifies Sorger as a projection of the author, who now writes directly about his own struggle to reconstitute himself and his art by undertaking a pilgrimage to the great mountain that Cezanne painted again and again. Finally, “Child Story” is a beautifully observed, deeply moving account of a new father—not so much Sorger or the author as a kind of Everyman—and his love for his growing daughter.

QUOTES

Moving and powerful…with the freshness that only an extraordinary writer can impart.
— Los Angeles Times
There is no denying Handke’s willful intensity and knife-like clarity of emotion. He writes from an area beyond psychology, where feelings acquire the adamancy of randomly encountered, geologically analyzed pebbles…The best writer, altogether, in his language.
— John Updike, The New Yorker
A leading literary figure in the first generation of Germans to grow up after the war…He is a man of real intellectual power and sometimes visionary insight. His fingers are never far from the pulse…Slow Homecoming is…a difficult, contested, intellectual, and spiritual journey which it is impossible not to respect and honor…In short, it presents a trayful of the prime hors d’oeuvres of life in our merry postmodern age.
— The Washington Post
Slow Homecoming, Peter Handke as German literature’s last surviving romantic, a modern day solitary-cum-nature poet…An intense and utterly absorbing book.
— The Sunday Times (London)

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Broschiert: 139 Seiten 
Verlag: Suhrkamp Verlag

Kurzbeschreibung: 
"Die Erzählung Langsame Heimkehr endet, als das Flugzeug zur Landung auf dem Kontinent ansetzt. Der erste Satz der Lehre der Sainte-Victoire lautet: »Nach Europa zurückgekehrt, brauchte ich die tägliche Schrift und las vieles neu.« Aus Sorger, dem »Helden« der Langsamen Heimkehr, ist der Autor geworden, der sich nach dem Recht zu schreiben fragt. Nicht in Form eines Traktates, sondern als eine Erzählung von Wanderungen in der Provence – von den Auseinandersetzungen mit dem Mont Sainte-Victoire und dessen Abbildern, »Verwirklichungen«, auf den Gemälden Cézannes–, zum Mont Valérien in Paris oder »auf« den Havelberg in Berlin und – schließlich – im Morzger Wald bei Salzburg. Die zweite Begegnung mit der Sainte-Victoire und Cézanne, »dem Menschheitslehrer der Jetztzeit«, erlaubt es Handke, eine Poetik, seine Poetik, zu schreiben als die »Lehre« der Sainte-Victoire. Das »Recht, zu schreiben« gründet sich für ihn auf die Erfahrung des Zusammenhangs, der Verwandtschaft, zwischen dem Ich und den Dingen; Ziel des Autors Peter Handke ist es, »diesen Zusammenhang, in einer treuestiftenden Form!, weiterzugeben«. 

Über den Autor: 
Peter Handke, geboren 1942 in Griffen (Kärnten) als Sohn eines Bankbeamten, ist einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der Nachkriegsgeneration. Zuletzt löste er erbitterte Debatten aus, als er die Serben während des Krieges in Bosnien verteidigte. Peter Handke lebt heute bei Paris.

Mein Eindruck: 
Als dieses Buch 1980 erschien, muss es für Journalisten, die es rezensieren mussten, eine wahre Zumutung gewesen sein.
Eine Handlung gibt es eigentlich nicht. Dafür viele Reflexionen über das Ich und die Landschaft des Sainte-Victoire,in der Provence die der impressionistische Maler Paul Cezanne einst malte.
Es entstehen mächtige Sprachbilder Handkes, als wolle er es dem, den er verehrt und verherrlicht mit Sprache gleichtun.
Handke ist aber nicht nur in der Provence sondern auch in Paris und Berlin unterwegs. Doch dann kehrt er noch einmal an das Massiv des Sainte-Victoire zurück.
Ich lese das Buch ohne den Zeitbezug, den es vielleicht einmal gehabt hatte, als Handke sich über Deutschland äußerte.

Die Sprache wirkt sehr suggestiv, fesselt mich insbesondere im Mittelteil ans Buch und ich meine beim Lesen Handkes leise Stimme zu hören, wie er den Text murmelt. 





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