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Wednesday, April 9, 2014

Phantasien der Wiederholung/ Fantasies of Repetitions

Nach der vierteiligen, zwischen 1979 und 1981 publizierten Werkgruppe (Langsame Heimkehr, Die der Sainte-Victoire, Kindergeschichte und Über die Dörfer) hat Peter Handke vor allein unterwegs, beim Innehalten im Gehen, bei bestimmten Momenten im Erwandern, also im Erfahren, der Landschaft geschrieben. Dieser Art und Weise der Beobachtung und Produktion verdankt sich auch das vorliegendeJournal aus den Jahren 1981/82.

http://handkeonline.onb.ac.at/search/node/Phantasien%20der%20Wiederholung/

http://handkeonline.onb.ac.at/node/119/material


http://www.jstor.org/discover/10.2307/406723?uid=2&uid=4&sid=21105204563503

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Leseprobe


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Peter Handke: Phantasien der Wiederholung

 

1. Subjekt und Selbsterfahrung in der Sprache


Viele Kritiker schreiben Peter Handke kaum verdeckte Züge narzißtischen Größenwahns zu. Hier sei das eingetreten, was Walser so beschrieben hat: „Der Autor ist die Botschaft“[1]. Über Handke sagte er :

Er bildet nicht Welt ab, sondern den Schmerz, den auch schon die geringste Identifikationsbewegung ihm bereitet: die Identifikation mit vorhandenen Wörtern und mit dem vorhandenen Gebrauch von Wörtern. Das tut weh. Er wäre am liebsten nur mit sich selbst identisch. Also stumm. Jetzt schreibt er und wird schreiben vom Schmerz und vom Ekel und von der Widerwärtigkeit, die er erleidet, weil er nicht der war, der die Chance hatte, als Allererster Es-werde-Licht zu sagen. Dieser Schmerz macht begreiflich, warum er, schambesessen, alles abstößt, was er nicht selber hervorbringen kann.[2]

Handke selbst vermerkt im Journal Das Gewicht der Welt in Bezugnahme auf den Mythos vom Narziß, der sich im Wasser spiegelnd, seine eigene Schönheit selbstvergessen bewundert und dabei ertrinkt:

Ob nicht vielleicht gerade das lange, ausforschende Anschauen des eigenen Spiegelbildes (und im weiteren Sinn: der von einem verfertigten Sachen) die Kraft und Offenheit zu langem, unverwandtem, sich vertiefendem Anschauen andrer geben kann?[3]

Für ihn dient Literatur primär der Selbstreflexion, sie ist „ein Vehikel seiner Selbstbewußtwerdung. Dieser Spiegelungsvorgang fungiert als eigentlicher Kontrast Handkes zur Realität. Indem er sein Ichbewußtsein in der Literatur klärt, reflektiert er seine Beziehung zur Realität, läßt er sich von der Wirklichkeit verändern.“[4] Ausgehend von seinem eigenen Empfinden sucht er nach einem „Regelwerk“, um sich selbst und andere zu verstehen. Im Aufsatz „Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms“ spricht er davon, daß es nur ein Thema für ihn gebe, nämlich über sich selbst klarer zu werden. Die „Wirklichkeit der Literatur steht im Dienst der Erhellung der wirklichen Wirklichkeit, die Handke als [seine] persönliche Wirklichkeit begreift.“[5] Literatur, die ihre (formale) Differenz zur außerliterarischen Wirklichkeit  betont, erfüllt laut Handke in zweierlei Hinsicht eine bewußtseinsbildende, Ich- klärende Funktion: Einerseits mache sie auf ideologische Feststellungen und Verstellungen der empirischen Wirklichkeit aufmerksam, andererseits bringe Literatur als Alternative den Möglichkeitssinn ins Spiel, welcher dem Subjekt die ihm entzogene Welt wiedergewinnen soll. Selbsterkenntnis ist nicht nur Ziel von Handkes Schreiben, sondern auch ein Prozeß im Werk selbst.- ein Prozeß des fiktionalen und des mit in den Text gezogenen Leser- Ichs. In seinen Werken nimmt sich das fiktionale Ich nur im Gegensatz zu den anderen wahr, findet zu sich selbst nur durch Abgrenzung und Hervorhebung des Eigenen vom Allgemeinen und Anderen, gewinnt das „Ich“ erst an Bedeutung und Kontur, wenn es zu einem „Du“ spricht und erfährt sich selbst erst durch Auseinandersetzung mit der Umwelt. Im Aufsatz „Über die Subjektivität in der Sprache“ von E. Benveniste heißt es dementsprechend:

Sie [Die Subjektivität] wird nicht durch das Gefühl, das jeder von sich hat, definiert[...], sondern als psychische Einheit, welche die Gesamtheit der erlebten Erfahrungen, die sie vereint, transzendiert und die Dauerhaftigkeit des Bewußtseins garantiert.[...]Hier finden wir die Grundlage der Subjektivität, die durch den sprachlichen Status der Person bestimmt wird. Das Selbstbewußtsein ist nur möglich, wenn es sich durch einen Kontrast erfährt. Ich benutze „ich“ nur dann, wenn ich mich an jemanden wende, der in meiner Anrede ein „du“ sein wird. Ohne Kommunikation gibt es also keine Subjektivität.[...][6]

Handke möchte jemand sein, der die verdrängten und unterdrückten Wünsche und Befürchtungen seiner Epoche oder auch nur seiner „gehüpften und gesprungenen Tage[7]“ formuliert und seinen Lesern zur neuen Wahrnehmung ihres Ich- und Existenzgefühls verhilft. Schließlich würde nicht die in Chroniken festgehaltene politische Geschichte, die Geschichte der Eroberung und Machtausübung ist, sondern die in der Literatur geschilderten Verlust- und Leidenserfahrungen anderer Menschen helfen, als Medium der Selbsterkenntnis das Verhältnis des einzelnen zur Wirklichkeit zu beleuchten. Der Autor versucht, Augenblicke der Sprache festzuhalten: “Immer wieder auf die paar Momente am Tag hindenken, wo die schmerzhaft sprachlose, stammelnde Welt spruchreif geworden ist. (GW 194)“[8] Wahrnehmung des Subjekts, der Vorgang des Schreibens und der Anspruch auf Mittelung verbinden sich in den Journalen miteinander. Im Gewicht der Welt wird die Auflösung der Differenzen zwischen der “ewigen Entzweitheit zwischen einem und der Welt (GW 118) ” angestrebt, indem die eigenen, fixen Ideen in die “Mythen aller” verwandelt werden sollen: “Das Ich, das schreibend dem Mythos vieler zustrebt, ist bemüht, sich zuallererst von den Meinungen der vielen abzusetzen.”[9] Und in der Geschichte des Bleistifts (GB 152) heißt es: “jede Art Gruppe ist mein Feind”, in den Phantasien der Wiederholung (PW 92): “Wenn einer einmal ein Weltbild hat, wird er erbarmungslos; und die Gruppe mit einem gemeinsamen Weltbild wird mörderisch.“ Das Ausgehen von sich selbst, das “Sich- selber- Anschauen” wird zur Voraussetzung für das Nachdenken. Aus dem Ich-Gefühl leitet sich dann das Gefühl für andere ab.[10]

2. Handke und das Sprachproblem


Was als Wahrnehmung noch einfach und unangefochten ist, wird problematisch, sobald es in Sprache umgesetzt wird. Erst die Sprache erfaßt die Gegenstände und Vorgänge in ihrer Komplexität. [...] Ich entledige mich nicht der Kleider, sondern die Kleider entledigen sich meiner. Das simple Vertauschen von Subjekt und Objekt gefährdet die feste Ordnung der Welt ,es signalisiert das Ende der geltenden Hierarchien . Schreiben kann ein zerstörerischer Akt sein.[...] Ich erwarte von der Literatur ein Zerbrechen aller endgültig scheinenden Weltbilder. Literatur stellt die eigentliche Wirklichkeit erst her. Die gegebene Wirklichkeit- [...] eine der Übereinkunft, eine konventionelle also-[...] muß angezweifelt werden. Schreiben heißt anzweifeln.[11]

Sprache erscheint als „formalisiertes, zur bloßen Benennungsroutine verflachtes Instrument, dessen man sich nicht mehr mit naiver Ursprünglichkeit bedienen kann, um der unbewußt registrierten Wirklichkeit wieder habhaft zu werden, sondern sie muß als formalisierte Methode einsichtig gemacht und dadurch dialektisch aufgebrochen werden. Das konventionelle Schreiben spiegelt bestehende Ordnungen und Hierarchie und schafft Identität:


Schreiben wird für Handke zum Versuch, „Sprache zu durchschauen und ihren Ideologiecharakter zu dekuvrieren.“[13], durch unkonventionellen Umgang mit der Sprache aufzuzeigen, was dahintersteckt. Das Bewußtsein des einzelnen soll aus erstarrten Formkonventionen befreit werden und dem einzelnen eine neue Wahrnehmungssensibilität verfügbar machen. Handke tut dies, indem er „die in der Tagesrealität unterdrückten Schichten seines Ichs, seine Phantasien und emotionalen Antriebskräfte“ artikuliert. Sein Schreiben wird zur Selbsterfahrung. Hier besteht eine unmittelbare Beziehung zwischen Thematisierung des Sprachlichen und der Problematisierung der Identität.[14] In Anlehnung an Ludwig Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus sieht er in der Sprache „ein Verblendungssystem, das die Wirklichkeit mit tautologischen Fiktionen verstellt.“[15] Erst wenn dieses Verblendungssystem bewußt zersetzt wird, die Sprache sozusagen schrittweise zerstört und aufgelöst wird, nähert sich der Erkennende der Wirklichkeit an, vor der er, im Augenblick der Erkenntnis sprachlos geworden, letztlich verstummt. („..wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen“). Konvention gewordene Formalismen und damit einhergehende konventionelle Denkstrukturen müssen zerbrochen und eine neue Sprache geschaffen werden, die einen neuen Umgang des einzelnen mit sich selbst und anderen ermöglicht.[16]

3. Handkes „Journale“


Peter Handke hat beim Innehalten im Gehen, bestimmten Momenten im Erwandern, also im Erfahren der Landschaft geschrieben. Dieser Art und Weise der Beobachtung und Produktion verdankt sich das vorliegende Journal.[17]

Die täglichen Aufzeichnungen der Journale sollten ursprünglich in ein anderes literarisches Werk integriert werden. Zunächst nur als Notizbuch gedacht, „verselbständigt sich dieses Journal [Anmerkung: gemeint ist das erste Journal „Gewicht der Welt“] zu einer Bestandsaufnahme täglicher Wirklichkeiten, zur spontanen Aufzeichnung zweckfreier Wahrnehmungen“[18] Für Handke ist es die Möglichkeit eines neuen literarischen Stils, es geht darum, „Augenblicke der Sprache festzuhalten und dem nur Momenthaften zu entreißen.“ Das Journal ist die „unmittelbare simultan festgehaltene Reportage von einem Bewußtsein, dem sich sprachlich identifizierenden Ich“.[19] Peter Handke reduziert in seinen Journalen auf kleinste Einheiten des Geschehens,  er zeigt Bilder des alltäglichen Gesichtskreises und bewirkt damit „Schaffung von Verbindlichkeit durch Beobachtung und Versprachlichung der minimalen Einheiten alltäglichen Geschehens[20]“. Der Autor selbst hat dazu bemerkt, ein Schriftsteller müsse doch alles, was sich im Bewußtsein ereignet, vorkommen lassen. Sie sind der Beobachtungsform des Reisens und Flanierens verbunden, beschreiben eine Ziellosigkeit des handelnden Subjekts und pendeln wie die erzählenden Texte zwischen dem Versuch des Beobachters, alle Beziehungen zur Welt abzubrechen und doch wieder in Zuständen der Epiphanie zu sich zu finden. An der Grenze zwischen Innenwelt und Außenwelt , an der Schwelle zwischen Privatheit und Mitteilung gäbe es einen Übergangsbereich, in dem sich die Ideen einzelner in einen „Mythos vieler“ verwandeln könnten.[21] Die Journale begründen den Rückbezug der späten erzählenden Texte Handkes auf eine literarische und philosophische Tradition. Deutlich sichtbar wird das  im „Gewicht der Welt“, das auf Sartres „Das Sein und das Nichts“ zurückgeht. Sartres Text handelt von der Frage nach Freiheit und Verantwortlichkeit des Menschen, der sowohl für die Welt und für sich selbst verantwortlich ist und daher „das ganze Gewicht der Welt auf seinen Schultern trägt“[22]. Verantwortung trage er schon ab der Geburt. Handke sieht analog dazu die „Eigentümlichkeit der menschlichen Realität“ darin, „daß sie ohne Entschuldigungsgrund ist.“[23] Schreiben und die Tätigkeit der Phantasie werden zum Versuch, diesen Zustand vergessen zu machen oder gar zu überwinden: „Schreibend reinige ich mich, meine Vorfahren, mein Volk, durch die Form; und alle meine Vorfahren sind nur wenige, meine Nachkommen aber sind alle!”(GB 149) Von Anfang an wird versucht, vorgegebene literarische Formen zu zerstören, typisch ist die offene Form, die sich weder eindeutig dem Tagebuch, noch der Autobiographie zuordnen läßt.  Im “Gewicht der Welt” zeigt sich, daß die Szenen nicht einfach beliebig zusammengestellt sind: Zu Beginn wird vom “Bücken im Herbst” gesprochen, am Schluß “vom Erheben des Hauptes im Frühling, in dem Bewußtsein, sich “freigedacht” zu haben.[24] Die Journale “Die Geschichte des Bleistifts” und “Die Phantasien der Wiederholung” verzichten dagegen auf eine vergleichbare zeitliche Strukturierung. Das Ende der “Phantasien der Wiederholung” ist weder eine allegorische Szene (wie im “Gewicht der Welt”) noch ein unendlicher Wunsch (wie in der “Geschichte des Bleistifts”), sondern eine offene Perspektive, die zeigt, daß der Entwicklungsprozeß noch nicht abgeschlossen ist. Hier heißt es: “Ich werde mich entschlossen verirren”(PW 99)

3.1. Das Prinzip des teilnehmenden Sehens


Die Journale bieten eine “Chronik der laufenden Ereignisse[25]”. Persönliche Wahrnehmungen und öffentliche Bilder werden ineinander verwoben. Die entscheidende Grundhaltung des Tagebuchschreibers ist die der Beobachtung. Peter Handke unterscheidet strikt zwischen einem bloßen Registrieren der Alltagsvorgänge und einem “Sehen im gesteigerten emphatischen Sinn[26]”:
Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  

  1. Die narrative Performanz des Gehens: Peter Handkes "Mein ...

    books.google.com/books?isbn=3899426371 - Translate this page
    Volker Georg Hummel - 2007 - ‎Walking in literature
    Peter HandkePhantasien der Wiederholung Die folgenden drei Kapitel zu Poetik und Person Peters Handkes geben, ba1 sierend auf den Grundlagen der ...
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