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Wednesday, December 19, 2012

DIE HORNISSEN/ THE HORNETS/LOS AVISPONES





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Im Jahr 1966 erschien Handkes erster Roman Die Hornissen. Es ist der Versuch, die Entstehung eines Romans zu beschreiben. Ein Mann hat vor Jahren ein Buch gelesen: oder er hat das Buch nicht einmal gelesen, sondern es ist ihm nur von anderer Seite von dem Buch erzählt worden. Nun aber, eines Tages im Sommer, wird er, vielleicht durch eine Übereinstimmung dessen, was ihm selber zustößt, mit dem, was dem blinden Helden des Romans zugestoßen ist, eben an jenes verschollene Buch erinnert, von dem er meint, es vor Zeiten gelesen zu haben. Aus den zerbrochenen Stücken, an die er sich zu erinnern glaubt, aus Worten, aus Sätzen, aus halbverlorenen Bildern denkt der Mann den Roman aus, und zwar derart, daß unentscheidbar bleibt, ob das Geschehen in dem »neuen« Roman nur den »Helden« des alten Romans betrifft oder auch ihn, der ihn ausdenkt.

Below is a fascinating review of DIE HORNISSEN, which I never saw before.
DIE ZEIT
http://www.zeit.de/2012/50/Peter-Handke-Versuch-ueber-den-Stillen-Ort

put it online with their excerpts from the HANDKE / UNSELD correspondence,
where Handke violently object to the review, and Unseld warns him to get used to it
What is fascinating is that this review, from a certain perspective, is utterly
correct, but entirely misses the sense of the book. That is something that Handke
himself, however, doesn't say in so many words. Werth attacks the book after giving
an accurrate description of it for the means it uses, and never realizes that
Handke, in this fashion, conveys a state of mind. Interesting to note that Handke
even then, in 1967, finds Grass to be a Konsum autor. HORNISSEN intrigued me at the
time, I had just started as editor for German books at Farrar, Straus... but I realized
that my colleagues there, with the exception possibly of Henry Robbins the editor of Barthelme who would depart the premises within the year, would be
entirely baffled by this approach to writing. Matters would have been different had
it been at Grove Press, but they already had Fred Jordan and Richard Seaver.
Handke, like the mama's boy I expect he is still, despite claiming in recent interviews
that he is "relatively normal" and "ausgelichen" - das ich nicht schallend lache!  anything to get on t.v. and try out a new personality that does not bite! - never did get used to any form of criticism, and didn't even realize that maybe the occasional non-hossannah in Manuskripte might actually lend greater credence to positive ones there, and threatened, the threatener that he is, also in the correspondence with Unseld, his closest buddy Kolleritch that he will never get anything from him if he ever runs a negative review again. The subsequent DER HAUSIERER was comparatively pellucid
to me and we had a contract, but Handke revealing that it was chockful of quotes from U.S. Black Mask type detective stories from German translations, then made life easier all arount to have GOALIE as the first translated novel. Yet I still think that HAUSIERER is the more important one. At least it exists in Spanish and the other Romance languages, as does DIE HORNISSEN, Los Avispones. Wasps, spanish doesn't seem to have a word for Hornets.
 A major bother during my childhood too as of 1941, and in the summer of 1944 a B-17 nearly crashed into our house outside Bremen.
I forget who the Suhrkamp editor who recocommended the book, but Unseld evidently had read it himself too. It was turned down by Luchterhand initially. Those were the days.
 















Schreibmuster


Peter Handkes Erstlingsroman „Die Hornissen“

Von Wolfgang Werth

Auf Nummer Sicher gehen – wer nicht wagt, gewinnt!“ Diese Parole, die ein bundesdeutscher Wahlkampfstratege, ein Gegner des Zahlenlottos oder ein Produzent von Antibabypillen erfunden haben könnte, scheinen manche Literaten zur Maxime ihres Schreibens gemacht zu haben. Auf Nummer Sicher gehen heißt, den Überraschungen ausweichen, die man zwangsläufig erleben würde, ließe man sich auf das Abenteuer mit der Wirklichkeit ein – und heißt einen modus scribendi finden, der volle Immunität garantiert. Statt Wirklichkeit ins Bild zu bringen, denkt man sich subjektive Schreib- und Beschreibungsmuster aus, die nur das gelten lassen müssen und dürfen, was ihnen paßt.

Texte, die auf diese Weise entstehen, haben sich allein durch die Schlüssigkeit ihres internen Bezugssystems zu rechtfertigen. Ihre Verfertigung verlangt vom Autor keine hohen Schöpfergaben, wohl aber einige Intelligenz und Kombinationsfähigkeit. Wer die Grenzen des eigenen Entwurfs kennt und in ihnen seinen Text sorgfältig arrangiert, kann durchaus hochartifizielle Prosagebilde zustande bringen, Beispiele eines literarischen Kunsthandwerks, das seine Bewunderer findet, auch wenn dabei meist ehrfürchtige Langeweile im Spiel ist.
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Wo aber die Bedingungen des selbstgewählten Musters mißachtet werden, wo anderes beabsichtigt wird, als im engen Rahmen des Möglichen geschehen kann, zerbricht das Gebilde, noch ehe es entstanden ist. Das zeigt sich bei der Lektüre des ersten Prosaversuchs von

Peter Handke: „Die Hornissen“, Roman; Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 277 Seiten, 16,80 DM.

Das Buch will den vergeblichen Versuch protokollieren, eine nur noch partiell erinnerliche Fiktion neu zu fixieren; zugleich soll die Fiktivität jeglicher Erinnerung kenntlich werden. Handkes Entwurf (der am Schluß der „Hornissen“ wichtigtuerisch erläutert wird) geht von einer recht zweifelhaften Spiegelsituation aus: Ein blinder Mann, der wesentliche Ereignisse seiner Kindheit aus dem Gedächtnis verloren hat, ist fest davon überzeugt, vor Jahren, vor seiner Erblindung, ein Buch gelesen zu haben, von dem er meint, daß es sozusagen eine Vor-Schrift seiner eigenen Lebensgeschichte gewesen sei. In diesem Buch erinnerte sich ein Blinder, ebenfalls bruchstückhaft und „ohne Ordnung“, an Geschehnisse aus seiner Kindheit, die später (als er die Lektüre schon vergessen hatte) im Leben des sich nun an das Buch erinnernden Blinden ihre genaue Entsprechung gefunden haben. Erzählt wurde „von zwei Brüdern, von denen später der eine, als er allein nach dem abgängigen zweiten sucht, erblindet; es wird aus der Erzählung nicht ganz klar, durch welches Ereignis der Knabe erblindet; es wird nur mehrmals gesagt, daß ein Kriegszustand herrsche; die näheren Angaben über das Unglück jedoch fehlen, oder er hat sie vergessen“.

Der erste Blinde hat es also im Gegensatz zu seinem fiktiven Spiegelbild mit zwei fragmentarischen Erinnerungssphären zu tun. Es beunruhigt ihn angeblich, daß sowohl in seiner eigenen Lebensgeschichte als auch in dem Buch Lücken klaffen, die sein Gedächtnis nicht schließen kann. Er weiß, daß etwas fehlt, aber er weiß nicht „was es ist und wie es ist“, und das„macht ihn begierig zu wissen“. Wenn es ihm mit diesem Wunsch wirklich so ernst ist, wie behauptet wird, wäre es wohl das Nächstliegende, er stellte Nachforschungen an: Ein Rundschreiben an alle Bibliotheken fände vielleicht einen Empfänger, der das gemeinte Buch zutage fördern könnte.

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Und was seine eigenen vergessenen Erlebnisse betrifft, so wäre möglicherweise der eine oder andere Augenzeuge des damals Geschehenen zu ermitteln, der sich eben jener Tatsachen entsänne, die dem Wißbegierigen entfallen sind. Doch Handkes Entwurf sieht derlei Erkundungen nicht vor – sie würden den vorgeplanten Verlauf des Buches stören. Hier zeigt sich eine weitere Schwäche des Schreibmusters: Anders als etwa Ror Wolfs „Fortsetzung des Berichts“ oder die Halbschlafimaginationen Hermann Peter Piwitts können „Die Hornissen“ die Reduktion ihrer Erzählfigur nicht durch sich selbst begründen. Der Autor versucht sich aus der Affäre zu ziehen, indem er Blindheit kühnlich als Synonym eines absoluten Kontaktverlusts einsetzt. Wider alle Erfahrungen verkündet er; „Wer blind ist, ist auch unsichtbar“, oder: „Wenn ein Geblendeter vor dem Spiegel steht, steht niemand vor dem Spiegel.“

Das Diktat des Autors verdammt den Blinden dazu, allenfalls dadurch präsent werden zu können, daß er sich erinnert oder sich etwas ausdenkt, also nur in den subjektiven Vorgängen, die das Thema des Buches sein sollen. Doch Handke ist dem einen Dilemma nur ausgewichen, um sofort in ein neues zu schlittern: Unter den gewählten Voraussetzungen kann die Suche nach dem „scheinbar Vergessenen“ gar nicht stattfinden. Da die Erinnerungen und Mutmaßungen des Blinden gleichzeitig auf die Fiktion und auf die eigene Geschichte bezogen werden und da sie nirgends einen sicheren Anhaltspunkt haben, verliert die Erzählfigur ihre Identität. Sie löst sich in einem Vexier- und Spiegelspiel auf, das in allen möglichen Brechungen und Verschiebungen totes Material aufscheinen läßt.

Immer wieder projizieren sich direkte und mittelbare Erinnerungen gleichwertig und ununterscheidbar ineinander. Erinnerte Erzählungen, die den Blinden der „Hornissen“ oder den der Fiktion oder beide betreffen, werden in indirekter Rede nacherzählt, bis sich das unbestimmte Ich an einer Stelle wiedererkennt und den Bericht mit eigenen Worten fortsetzt. Direkte Erzählung mündet in ein echtes oder vermeintliches Zitat, tritt wieder daraus hervor, bricht plötzlich ab, um einem neuen Einfall oder einem variierten alten Platz zu machen, der seinerseits in wenigen Sätzen verpufft, vielleicht, um an anderer Stelle noch einmal aufgegriffen und abgeändert zu werden.

Fortwährend wechseln bei der Darbietung des weder Herkunft noch Ziel verratenden Materials die personalen und zeitlichen Bezüge, die Modalformen und Stilmittel, wobei im einzelnen beliebig bleibt, was wann wo und wie erzählt wird. Der einzige Sinn dieser grammatikalischen Wechseisprünge und dieser Intonationsübungen scheint darin zu bestehen, die Unverbindlichkeit jeglichen Fixierungsversuches zu denunzieren.

Der Stoff, der dazu gebraucht wird, ist austauschbar. Handke hat ihn so gewählt, daß der Leser gar nicht in Versuchung kommt, sich sonderlich für seine etwa doch noch vorhandene Eigenwertigkeit zu interessieren. Man erfährt, daß der Erzähler (welcher?) als ältester von drei Brüdern auf einem Bauernhof aufgewachsen ist. Die Gegend wird als entlegene Gebirgslandschaft vorgestellt, doch es wird nicht gesagt, von wo aus sie als entlegen zu betrachten ist. Auch eine historische Zeit ist nicht auszumachen. Verschiedentlich auftauchende Bombenflugzeuge, einmal auch Soldaten, signalisieren Krieg, der aber nur einmal in das Leben der erinnerten Personen eingreift: Weil das Schulhaus, das die Brüder besucht hatten, zerstört wurde, müssen sie in einem anderen Ort zum Unterricht gehen. Der Weg führt über einen Bach oder an einem Bach vorbei, in dem eines Tages einer der beiden Brüder ertrinkt. Die genaueren Umstände des Unglücks sind nicht mehr bekannt. Ein anderer Komplex betrifft die Erblindung des Erzählers, die – wie der verschollenen Fiktion erinnerlich – mit der Suche nach dem „abgängigen“ zweiten Bruder zusammenhängt. Auch hier bleibt der Unglücksfall selber im dunkeln.

Neben diesen Imaginationen, die die blinden Stellen der Geschichte umspielen, sie aber nicht erhellen, findet man andere, deren Bedeutung für das verlorene Ganze kaum oder gar nicht zu erkennen ist. Da wird etwa eine für solche Schreibmusterliteratur fast schon obligatorische Mahlzeit in Zeitlupenmanier geschildert, eine Ankleideszene zelebriert oder, unter Verwendung sämtlicher Verben des Sagens und Erwiderns, über ein Gespräch berichtet, das Vater und Sohn auf dem Wege zur Kirche führen. Von einem Mann mit einem Seesack ist die Rede – er reist mit dem Zug einem unbestimmten Ziel entgegen, um, dort angekommen, die Bahnhofstoilette aufzusuchen, Ein Kartenspiel, bei dem der Erzähler unbemerkt unter dem Tisch sitzt, von den Beinen der Spieler eingepfercht; das Aufwaschen von Geschirr; das Leben in einer Blindenanstalt; Umstände mit einem Fahrrad, das per Bus an irgendeine Adresse geschickt werden soll, aber offenbar nicht geschickt wird; die Zerstörung eines Wespennestes oder Mutmaßungen über eine Panik, die im Kino ausbrechen könnte – all das und anderes, ähnlich Beliebiges, wird aus unterschiedlicher Distanz und mit unterschiedlicher Schärfe nach- oder eingebildet.

Mitunter wird dabei der Vorgang der „Verbildlichung“ mit grotesker Akribie vorgeführt: „Dann ließ ich das Bild der Daumen das Bild der Frucht zerbrechen und das Bild der Scheibe dem Bild des anderen reichen, und wiewohl ich mir ein Bild von dem zweiten verwehrenden Schütteln des Kopfes machte, ließ ich schmählich das Bild der Hand nach dem Bild der Fruchtscheibe greifen und zu dem Bild des Mundes aufheben ...“

SchreibmusterSeite 3/3


Eine andere Möglichkeit, die Imagination zu entwirklichen, ist die Abstraktion: „Sie gingen weiter und die Straße zurück, bis sie zu einer Abzweigung kamen, auf der sie dann gingen, bis sie wieder zu einer Abzweigung kamen, auf der sie weitergingen ...“

Andererseits fehlt es jedoch auch nicht an Bemühungen, etwas so intensiv und genau zu schildern wie nur möglich. Dabei verrät sich nun aber erst recht die Unbeholfenheit des ehrgeizigen Autors, öfter, als man es hingehen lassen kann, verkehrt sich, was origineller und treffender Vergleich oder genaue Bezeichnung eines Vorgangs sein will, in unfreiwillige Komik oder baren Unsinn.

Da heißt es etwa vom Filmvorführer, er schlage „die Zähne in den von der Sonne vollgummiweichen Apfel“, es wird behauptet, daß „das Schnauben des Gauls“ den Vater einen Abhang hinauf „strampelt“, dem nämlichen Gaul „schmilzt“ eine Bremse ins Fell, und der Erzähler hat sich gar „auf die Leiter gesattelt“.

Die Unbekümmertheit, mit der Handke hier von falschen Bezügen und Gesuchtheiten Gebrauch macht, steht in merkwürdigem Kontrast zu der an anderen Stellen des Buches behaupteten Skepsis gegenüber dem Wort. Da nämlich wird in Frage gestellt, ob die Sprache überhaupt geeignet sei, die im Hirn produzierten Abbilder der Wirklichkeit mitteilbar zu machen. Worte, so erkennt Handke, sind nur Namen. Wer mit ihnen etwas benennen will, muß sie genau prüfen. Der Autor tut es, indem er beispielsweise die Namen der Geräusche aufzählt und sie den Geräuschen anprobiert oder indem er Miniaturessays über die Bedeutung und Widersprüchlichkeit bestimmter Worte in das Buch aufnimmt. Diese halbtheoretischen Einschiebsel tragen jedoch nur dazu bei, den Text aus Teilen noch mehr zu zerstückeln. Sie widerlegen damit ein weiteres Mal die Behauptung, daß die „Hornissen“ ein Roman oder doch wenigstens ein zusammenhängender Prosaversuch seien.

Das Buch zerschellt gerade an jenen Spiegeltricks, Eselsbrücken und Hilfskonstruktionen, die es haltbar machen sollen. Daß der Autor Verschiedenes, einander Widersprechendes gleichzeitig erreichen will, führt dazu, daß er letztlich gar nichts erreicht.

„Die Hornissen“ bleiben ein Sammelsurium von Ansätzen, Skizzen, Glossen, Wortregistern und literarischen Kopien, die Handkes Belesenheit gerade in Sachen „Schreibmusterliteratur“ verraten – eben jener Literatur, gegen die er auf der Princeton-Tagung der Gruppe 47 in vielberedetem Alleingang polemisiert hatte. War das wirklich der Autor der „Hornissen“?

Das zweite Buch von Peter Handke wird dieses Vexierrätsel vielleicht lösen.













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