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Monday, February 22, 2016

Tagebüchern 2007 bis 2015,

Komm mit! Komm mit!

Peter Handke.
Peter Handke. / Bild: (c) APA/BARBARA GINDL 
Wer die Orte nicht ehrt, / ist der Worte nicht wert / (und umgekehrt, und / wieder umgekehrt). – Erstveröffentlichung: die jüngsten Aufzeichnungen, Vorwinter 2015.
   (Die Presse)
Gehen wie Lesen: Ich bin in meinem Element. Die Zeit, sonst immer wieder ein feindliches Element, springt um in ein freundliches, wird ein mich be- und geleitendes, und der Raum, sonst so oft ohne Platz für mich, wird Luft- wie „Weltinnenraum“, nicht bloß der meine. Ich gehe und lese. Ich bin gegangen und habe gelesen. Ich werde gegangen sein und gelesen haben

Statt „Es muß alles anders werden“ sag: „Ich muß das Meine besser machen“

„Hoffnung“, „hoffen“: Ich habe diese Wörter immer nur rhetorisch gebraucht. Ich habe noch nie gehofft, kein einziges Mal

„Ich habe recht.“ – „Ja, du hast recht. Aber du wirst nicht recht behalten. Niemand behält recht. Niemand kann recht behalten“

„Nichts ist leerer als ein leeres Schwimmbecken“. – Ja, und nichts ist zeichentrickfilmreifer als das Schwanzzucken eines Eichkätzchens

Vor dreißig Jahren, im Friaulischen, ging der blinde alte Vater dort über die Felder mit der Hand auf der Schulter des ihn führenden Sohns, und jetzt hier, in einem Metrotunnel, begegnete mir gerade wieder so ein Blinder mit der Hand auf der Schulter eines Jungen, und ich sagte unwillkürlich im Stillen: „Was ich alles schon erlebt habe!“

Lauthälse haben kurze Beine

Ein Zusatzname für mich, jahraus, jahrein neu mich anfliegend beim Gehen durchs Spätherbst-Vorwinter-Laub: „Stapfer“ – in Stara Vas slawisiert zu „Štapfič“

Großbauernkinder bleiben immer Großbauernsprößlinge, Kleinbauernkinder dagegen –
Die Mär vom Sandmann, welcher dem Kind an den Abenden den Sand in die Augen streut. – Danach aber: kein Sandmann mehr, weder für den Jugendlichen noch für die Erwachsenenzeit. – An der Schwelle zum Alter freilich die Rückkehr des Sandmanns, mit seinem Augenstreusand, und da oft schon am Morgen. Und er streut dann und streut, von frühmorgens bis spätabends

Ein Jahr, ein jedes, die Jahre, sieh sie an und blick auf sie zurück als Wirtschaftsjahre, samtNichtstun, Trödeln, Stromern, „Tachinieren“. Hauptsache, du hast gewirtschaftet. Hauptsache? Ja, Hauptsache. Und wenn's bloß der Eindruck ist? Und wenn's bloß der Eindruck ist

Wenn die Experten den Mund aufmachen, istes jedesmal längst zu spät

Immer wieder die Verwandlung: Nicht „ich“ verwandle, erfinde etc., und schon gar nicht schafft das ein „System“, eine „Methode“, eine „Lehre“, vielmehr: ES verwandelt sich, ES erfindet. Das (ein) Erleben, indem es Erleben wird, geht von allein über ins Erfinden, verwandelt sich, sich steigernd und klärend, ins Erfinden, schwingt sich dazu auf – die Schwingen der Verwandlung empor zur Erfindung

„Was war deine Rolle im Traum?“ – „Ich war der, der ihn geträumt hat.“ – „Der Träumer, sonst niemand?“– „Doch: Einmal war ich derjenige auf dem Rücksitz neben meiner Mutter“

Einst die Todeskunde nachts im

Ruf des Käuzchens. Dagegen das ganz
andere „Komm mit!“ der Freude


Die Epen, die Geschichten der Sieger haben nicht recht – sind nicht recht. Aber ebenso wenig recht haben die Epen, die Geschichten der Verlierer. Weder-noch-Epen, jenseits von Siegen und Verlieren! („Letztes Epos“)

Wie viel, wie andauernd, wird heutzutage gestanden, tagaus-tagein, in einem fort: „Ich gestehe . . .“ Dabei wäre in der Tat nicht weniges zu gestehen, von einem jeden. Gesteh! Gesteht!

Wer die Orte nicht ehrt, / ist der Worte nicht wert / (und umgekehrt, und / wieder umgekehrt)

Sitz der Quelle der Trauer: hinter dem Stirnknochen, wasserloses Sprudeln

Goethe: vom Steinenarren zum Farbennarrenzum Wolkennarren, und so von einer Sphäre zur nächsten

Altern?: Selbst in den Träumen wundere ich mich „über gar nichts mehr“. – Du Schande!

Massaker um Massaker im Namen des Barmherzigen: „Aber damit die Welt untergeht, müssen ganz andere kommen!“ – Aber sind die nicht schon gekommen? (Und dazu jetzt das Rieseln des ehemaligen Meeressandes aus der millionenjahralten Muschel vom Vorzeitacker – und jetzt das ferne Grollenvom Wind hoch oben in den längst blattlosen schwarzen Wipfelruten der Buchen, als das Grollen des Hilflosen Gottes gegen die Schöpfungsmordbuben, 13. November 2015, Paris – Picardie)

Der Luft die Ehre geben – Schreiben

Stufen des Erwachens am Morgen: Was sich erst anhörte als Holzwurmschaben, und dannals Mäusetapsen, wird zuletzt, was es war undist: das Tropfen des Regens von den kahlen Bäumen (Picardie)

Halbsatz von einem Nebentisch: „Am Samstag, als er noch bei Bewußtsein war, sagte er . . .“

„Das Alleinsein macht ungerecht, ganz besonders!“ – „Ja, oder ganz besonders gerecht!“

Das ist kein Kunstwerk, wo man nicht auch berührt wird von einem Moment der Gequältheit.“ – „Der Qual?“ – „Nein, der Gequältheit“

„Wo er auch auftritt, hat er ein leichtes Spiel.“ – „Der Unselige! Count him out!“

Taupfützen, Tauwasserlacken, gibt's die? Ja, und man kann sich darin waschen. Und ein Vogel, wenn auch nur ein kleiner, kann darin baden

„Das Buch des Lebens“, es existiert. Es ist eingeschrieben, eingeblättert, eingegliedertin meinen Körper, in jede einzelne meiner Gliedmaßen, die Schulterblätter, die Kniekehlen, die Fersen, die Sehnen, die Gelenke, die Haarwurzeln, die Augenbrauen

Ein Blick als ein Gedicht, gibt es das? Ja, etwa das Schauen – das „Geschau“ – gerade des jungen Mädchens in der Metro

Das Kreisen der Baumschatten an der Zimmerwand in der Nacht: Bewegte Glasmalerei

„Du tust mir leid“ kann auch eine Schmähung sein. Auch „du erbarmst mir“? Nein

Gibt es das Paradies? Ja, im Vergleich. ImVergleich womit? Im Vergleich mit einemanderen Ort, mit anderen Zeiten – im Orts- und Zeitvergleich. – Und wie ist es, solch ein Paradies? – Spannend. Aufregend. Abenteuerlich


„Ich möchte mit Ihnen ein Grundsatzgespräch führen.“ – „Grundsatzgespräche führe ich nur mit mir allein. Und selbst da . . .“


Schreiber und Leser: der Vorspurer und der Nachspürer. „Aufregender Autor“? – Aufregender Leser


„Die Stille vor Angst mißbrauchen“. – Und den Wald (siehe / höre die Läufer) zum Keuchen mißbrauchen


„Amor fati“, die Liebe zum Geschick, übersetz frei mit „Wer weiß, wozu es gut ist“ (auch eine Religiosität)


„Berechtigte Freude“: Freude ist doch immer berechtigt?

„Ich kann nicht mehr!“ sagte er, und lachte sich dann aus

Seltsames Mondlicht: Es entrückt, statt zu umgeben; es liegt auf, statt zu umzirkeln; es enträumlicht, statt Raum (und Zwischenraum) zu schaffen; es konturiert und entwirklicht zugleich das Konturierte; es entkörpert, statt, wie das Tageslicht in der Regel, zu verkörpern.

Ich bin ein Adventskind. Und also bin ich doch kein Vaterloser?

Die wahren Leser, die wahrhaften, die Wahrleser – Eine Elite? – Ja, die Elite der Bedürftigen und der Überlieferer

Der Vaterlose: ohne Grenzen nach oben, ohne Fangnetz nach unten. – Wer war der Vater von Euphorion?

Unvergleichlich: das Licht des Mondes hinter einer einzelstehenden Fichte, hinter dem Fichtennadelgeäst, dem so dichten – ein anderes „Spektrum“ – ein Leuchtgelb, das, so wie dann der Mond, der volle, „in Person“ hinter der Fichte hervorkommt, auf der Stelle dieses Gelb verliert, verblaßt und ausbleicht hin ins Weißliche

Seltsam, wie sie mir immer wieder in den Sinn kommt, jene rätselhafte Inschrift auf dem längst verschwundenen Grabstein im Friedhof von Stara Vas: „. . . ist in seine fluidale Urheimat zurückgekehrt“. – Und was sehe ich, was sah ich gerade vor und in mir als Bild solcher Rückkehr? Das dichte gelbe Schilf des Dorfsees, und das Boot, den „Nachen“, den „Schinakel“ (šinakl), in dieses gelbe Schilfmeer eintauchend und darin verschwindend

„Wie sich kleiner Gabe / Dürft'ge Hand so hübsch entgegen dränget, / Zierlich dankbar, was du reichst, empfänget. / Welch ein Blick! ein Gruß! ein sprechend Streben! / Schau es recht und du wirst immer geben“ (West-Östlicher Divan)

Das kleinste, das flüchtigste Schöne – wie jetzt ein jähes Flimmern, einen Blick langhinziehend auf dem Waldweiher: kosmisch – der Kosmos

„He not busy being born is not busy dying“: das wär's – das ist es

Altern?: Selbst in den Träumen wundere ich mich „über gar nichts mehr“. – Du Schande!


Einst, nach Volksmund, die Todeskundenachts im Ruf des Käuzchens: „Komm mit!“ Dagegen das ganz andere „Komm mit!“ der Freude

„Adveniat regnum tuum!“ – Aber ist das Reich nicht schon gekommen? Wenn auch auf ganz verschiedene Weise? Und als ganz anderes Reich?

„Denn das Rechte zu ergreifen, / Muß man aus dem Grunde leben“ (West-Östlicher Divan) Das Rechte? Das Wirkliche, al-haqq

Aufschauen, anschauen ist schon für sich allein ein nach dem Rechten Schauen

Ist „Denkfehler“ nicht zuallererst „Gefühlsfehler“? Und hier, im Fehler, im Fehlen, sind Denken und Fühlen eins?

Gerade, als mir in den Sinn kam: „Daß zum Sterben und zum Tod nichts, aber auch gar nichts denkbar ist, das darf doch nicht sein!“, rief Spinoza dazwischen: „Gib's auf!“

Eingehen in das Wehen der Winterbaumkronen. Eingehen wie? – Durch die Drehtür der Baumkronen im Wind

Das Gebet des Aufsichübergehenlassens – zum Beispiel des Wehens der Blätter in den Baumkronen, auch wenn es die letzten sind, die gar spärlichen – gerade wenn es die letzten sind

Er war ein Dichter, bestand auf der Ahnung und haßte die Vorahnung


Wer in einem fort nach Hause strebt, kommt nie dort an?


Wandertruppen, lauthals durch die Wälder polternd: Klappern leerer Töpfe


„Dein abgehobenes Deutsch.“ – „Ja, mein erdiges Deutsch!“


Wer ewig strebend sich beläßt, den können wir erlösen

„Du sollst schauen, wo du schon immer geschaut hast!“ (eins der 11. Gebote)


Behalte deine Liebe für dich, und für den, den sie angeht. Verrate niemandem sonst deine Liebe. – Verrat? – Hochverrat


Nichts kehrt wieder. „Ewige Wiederkehr“? Nichts da. Wie sagte der jüngste Bruder meiner Mutter, zurückgekehrt noch einmal vor seinem Tod in der Tundra, angesichts der Milchfetzen, der von ihm verachteten, ihm vorgesetzt zu Hause in Stara Vas?: „Kommen Sie gestern!“

„Das waren noch Zeiten!“ – „Wart's ab!“

Schmerz, Existenz(be)gründer

Mein Vorurteil gegen alle Weißhaarigen und insbesondere Weißbärtigen, sie seien („seyen“) die Selbstzufriedenen und Selbstgerechten. – Auch gegen die Grauhaarigen? – Nein

Erster stiller Ausruf am Morgen: „Heilig, heilig, heilig!“ (Picardie); und dann: „Meine tägliche Auferstehung gib mir heute!“

Mein „Animismus“: Das Laub im Wind regt „sich“

Aufblick in der Dunkelheit des Geburtstagsmorgens in den Baumwipfel mit den letzten Blättern dort im Wind, dazwischen die Doppelschalen, die leeren, die stachligen, der Maronen, und Dankbarkeit. Dankbar wem? Der Mutter – und da flog sie schon vorbei, „zwischen Rabe und Taube“, „zwischen Fledermaus und Schwalbe“

Selbst Goethe hat sich „gewurmt“ (Gesprächemit Eckermann)

„Ins Leben eingeschlossen wie in ein Unterseeboot.“ – „Ins Unterseeboot eingeschlossen wie ins Leben.“ – „Aufsteigen!“ – „Kein Druckknopf! Nur Wasserblasen, schwarz, vor der Luke“

„Kunstlos“ als Lobeswort. Nein, ohne Kunst wird nichts. Und: Kunst als „Formwille“? – Nein, Formtreue. Nein, Lebenstreue


Meine Ankunft im Internat, September 1954: mein erstes wahres Weinen


Was ist, wann ist „wirklich schön“, „wirklichschön“? Wenn du dir sagst: „Schöner geht's nicht!“ Und: „Ein Ding der Möglichkeit!“


Weltwunder? Wie unnötig. Die Welt, des Planeten Erde, im Universum, als Welt, ein einziges Wunder – auch ein schreckliches. Immer noch: die Heilige Welt – samt dem Brausen der Autobahnen hinein in die Tiefe der Winterwälder (Niemandsbucht)

„Herkunft des Fleisches: Geboren in Deutschland. Aufgezogen: In Deutschland. Geschlachtet: In Deutschland“ (Bistro, schwarze Tafel)

Seltsam, wie ich, auch und gerade vor dem Endlich-Schönen, dem Vergänglich-Schönen –wie gestern vor dem Gelb-Raum-Muster der Herbstpfifferlinge im tiefen Teller –, denke: „Unendlich schön!“ – Seltsam?

Der Vaterlose als anderer Luzifer, der sich in jedem Sinn Überhebende. Über wen? Ohneeinen Gott? Oder sich überhebend gegen den Gott in sich selber, das Göttliche in sich selbst?

Langsam werden? Langsam werden


Der Sinnwahn als eine Art Wahnsinn? Der Wahnsinn des Sinnwahns?


„Die dunkle Zeit“, die Zeit „zwischen den Jahren“: die verkörperte Zeit. So war es einmal? So ist es noch immer


Es ist eine Zeit, da es recht ist, daß die Vornehmen, gerade sie, wenn es der Fall ist, unvornehm reden, „grobianisch“, „pöbelhaft“


Indem ihr mir den Nachtwind nehmt, werdet ihr ihn verstärken


Eine besondere Art des Erwachens: Werde ich gebraucht, erwache ich (auf der Stelle)


Was Gott entfernt hat, soll der Mensch nicht nähern. Gilt für manche Technik?


Kommt all das Sektentum, besonders dasheutige, nicht aus einer Unfähigkeit zur Verehrung? – Der Verehrung wessen? – Des Ganzen – des allgegenwärtigen offenbaren Geheimnisses. Sekten(un)wesen alsBedenk- und Gedenkschwäche? Daherdie Vergötzung von Einzelheiten, von willkürlichen Teilen, ohne den großen Anteil? Die fundamentale Lieblosigkeitall der Sekten – und von daher deren fundamentalistische Feindseligkeitgegen das Grenzenlose? Das lieblose ständige Sichabgrenzen, Begrenzen, Grenzen-durch-die-freien-Lüfte-Ziehen, als Gegenteil der aufs Grenzenlose zielenden Phantasie und Erfindung?

„Alle Guten sind genügsam“, sagt „der Dichter“ im West-Östlichen Divan

Immer wieder, seit Jahrzehnten schon, rotiert in mir als das „oberste“ der 11. Gebote: „Das Begehren des Begehrens des Anderen“. Das oberste? Das umfassende Gebot. Nur: Wer oder was ist „der Andere“? – Keine Frage

Wer keinen Sinn hat für das Geheimnis der Welt (siehe in der „Kindergeschichte“ das „Ich arbeite am Geheimnis der Welt“), der hat auch keinen Sinn für sonst etwas, schon gar nicht für den Frieden auf Erden. Also hört auf, Sinn-Lose, sinnlos vom Frieden zu schwätzen

Ohne die Träume kein Weltbestand. – Auch die scheinbar sinnlosen? – Auch die sinnlosen. – Auch die Alpträume? – Auch die Alpträume, gerade die. – Weltbestand – Weltverband

Zu Goethe flüchten? Vielleicht. Wenn aber ja: was für eine beherzte, was für eine mannhafte Flucht

„Seien wir wieder gut!“ („Samma
wiada guat!“): Das ist der mir am
innigsten nachgehende Kinderspruch


Ein Tagwerden, ein Tagen, wieder eines, im Tag: Sowie ich mich selber einhole, und verdoppele. Und ein Doppelter werde? Nein, ein Ganzer; ein Ergänzter

„Seien wir wieder gut!“ („Samma wiada guat!“): Das ist der mir am häufigsten und am innigsten nachgehende Kinderspruch quer durch das Dorf Stara Vas seinerzeit – unsrerzeit, wenn nach Tagen und Tagen des stummen Zwistes zwischen uns Kindern, des scheelen Umeinanderherumstreifens, des stieren Umeinanderherumstreichens, desEinanderausdemweggehens endlich ein Kindzum andern hinkurvte und murmelte, nuschelte, tuschelte, fast unhörbar: „Seien wir wieder gut!“ „Samma wiada guat!“ – Und wir waren einander dann in der Tat, bel et bien, actually, wieder gut = spielbereit. Ja, einander gut sein hieß: Weiterspielen, zusammen, auf der Stelle. Was auch geschah. – Und der das jeweils sagte, war das ich? War das der Andere? Einmal der Andere, dann wieder ich, dann wieder der Andere, und so fort –

„Das nächste Mal: nicht den Esel und das Rind vergessen, damit sie das königliche Kind wärmen“ (Bemerkung, geschrieben ins Handbuch der Kapelle, vor der alljährlichen Weihnachtskrippe, Niemandsbucht)


„Erfülle die Sekunde!“? – Ja, erfühle sie! – Und wo? – Im kleinen Finger, zum Beispiel. Oder in der großen Zehe. Oder in den Augenbrauen. Oder in den Nasenflügeln, besonders da ■

Aus den Tagebüchern 2007 bis 2015, die Anfang März im Verlag Jung und Jung herauskommen: „Vor der Baumschattenwand nachts“. – Text in alter Rechtschreibung.

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Notizbuch. 31. August 1978 - 18. Oktober 1978

Peter Handke

 

Querfeldein zum letzten Epos
Kaum einer nutzt das Genre des Journals so konsequent, abwechslungsreich und intelligent wie Peter Handke

Gäbe es von Peter Handke nur die Tagebuchaufzeichnungen („Journale“), es reichte hin, ihn für einen Autor von Rang zu halten. Seit dem „Gewicht der Welt“ (1977) bis „Gestern unterwegs“ (2005) hat er sich dieses Genre mit der ihm eigenen Unbeirrbarkeit und energischen Leichtigkeit angeeignet und mit neuen Akzenten fortgeschrieben. Entgegen seiner damaligen Ankündigung, diese Gattungsreihe damit abgeschlossen zu haben, ist nun die nächste Folge zu studieren und zu genießen: „Vor der Baumschattenwand nachts“. 
Wer sich näher für sein Werk interessierte, wusste seit der ersten Ausgabe von „literatur/a“, dem Jahrbuch des Klagenfurter Musil-Instituts, dass es „Folgen“ geben würde. Es fällt auf, dass die Notizen von 2006 in der Buchausgabe zur Gänze fehlen. Das macht auch darauf aufmerksam, dass die publizierten Journale jeweils Extrakte aus den weitaus umfangreicheren Notizbüchern waren. Davon vermag der jetzt publizierte und transkribierte Faksimile-Auszug des „Notizbuchs 31. August 1978 – 18. Oktober 1978“ eine Vorstellung zu geben. Handke hatte es seinem Verleger geschenkt, sein Lektor, Raimund Fellinger, hat es nun auszugsweise ediert, leider nur 23 von insgesamt 128 Seiten. 
Wenn ich nichts übersehen habe, findet sich lediglich ein Satz dieses Notizheft-Auszugs in dem zeitlich zugehörigen Journal „Die Geschichte des Bleistifts“. Das stilistisch leicht veränderte Notat betrifft den Protagonisten der „Langsamen Heimkehr“ und lautet im Journal: „,Schau, wo du gehst!‘ Durch diesen Spruch wurde Sorger zum Erdforscher“. Das Wort Erdforscher (statt: „Geologe“, wie es im Notizbuch heißt) verstärkt die Anspielung auf den „Fall“ des Philosophen Thales von Milet, der, über den Himmel nachdenkend, nicht auf die Erde achtete und in eine Zisterne stürzte – keine unpassende Warnung für einen Autor, der das Idealisieren und Fantasieren zu seiner Sache erklärt hat.
Man kann das alles als Angelegenheit für Spezialisten abtun. Die Aura der Handschrift, von der noch das Faksimile lebt, ist aber auch für den „common reader“ attraktiv, und kein Literaturmuseum lässt sich diese entgehen. Die Notizbücher und Journale Handkes haben noch einen anderen „Sitz im Leben“, wie man von literarischen Gattungen zu sagen pflegte. Sie müssen nur allererst als Gattungen wahrgenommen werden; es ist nicht das geringste Verdienst Handkes, das buchstäblich ins Werk gesetzt zu haben. Durch den Abbau von Gattungen neue zu stiften oder alte neu wahrnehmbar zu machen: der kürzeste Beweis von Handkes literarischer Intelligenz.

Liest man aber die Journale als Werke, eröffnen sich neue Abenteuer der Lektüre. Sie sind untereinander auch vielfältig verflochten, durch (Selbst-)Zitate, Anspielungen und Umwandlungen; sie unterscheiden sich aber durch einen je anders markierten Wahrnehmungsmodus oder schlicht durch das Ausmaß an Lektürenotizen, das der Autor jeweils zugelassen hat. 
In „Vor der Baumschattenwand nachts“ ist der auch sonst stets präsente Goethe beinah allgegenwärtig. Handke hat geradezu systematisch die Briefe Goethes gelesen und studiert. Kein anderer Autor nimmt, für alle Journale Handkes gesprochen, so viel Platz ein. Es gibt mitunter kommentierte Wiederaufnahmen früherer Zitate; vor allem aber gibt es eine Verlagerung der Aufmerksamkeit auf die Briefe, wenn man so will, an die Peripherie des Gattungssystems, wo Handke schon immer in seinem Element war. 
Mitunter wird Goethe auch spielerisch in andere Gattungen überspielt – „Goethe als Bluesman: „Ich war in Jena und fand es einsam, ich kam zurück [nach Weimar] und fand es leer“. Goethes „Formautorität“ erleidet keine Einbuße, wenn der Tagebuchschreiber John Cheever ins Unvergleichliche – eine Kategorie, die Handke immer wieder umkreist (ähnlich wie „unversehens“ oder „plötzlich“) – gerückt wird: „Niemand hat je so geschrieben wie John Cheever in seinem Journal.“ 
Die Transformation oder das je andere Beleuchten des Wiederaufgenommenen betont die Werkreihe als Prozess. Der Rückgriff auf früher Gelesenes und Zitiertes erzeugt den Schwung für die Fortsetzung und soll die Überraschung beim Schreiben ermöglichen. 

Die immer schon zitierten Autoren werden wieder und auch anders zitiert, einige erhalten Miniaturhommagen, von Nicolas Born bis Baruch Spinoza, von R. D. Brinkmann bis Ludwig Hohl. Und Ilse Aichingers mehrfach zitiertes „Die Stille zur Angst mißbrauchen“ kulminiert in dieser Zueignung: „Immer wieder Ilse Aichingers ,Die Stille zur Angst missbrauchen‘, ja – und, umgekehrt, das Gewahrwerden der Schönheit zum Stoßgebet gebrauchen.“ 
Das Lesen und das Gelesene (zu dem auch das eigene Werk gehört) lässt dem Zufall sein Recht, es kristallisiert sich aber „unversehens“ zu Opus-Fantasien, die Jahre zurückreichen und über das Journal hinausweisen, wie das „Letzte Epos“, das im ­vorliegenden Fall auch als „Einfache Fahrt ins Landesinnere“ oder „Die Obstdiebin“ aufscheint und ausstrahlt. Nebenher, nicht beiläufig, verdichten sich die dringlicher werdenden Notate zum „Heutigen Erzählen“. 
Im Unterschied etwa zu „Am Felsfenster morgens“ sind jetzt die Notizen zu den in der Aufzeichnungszeit erschienenen Werken viel spärlicher geworden. Eines davon, eben auch erst heuer erschienen, ist die Sammlung von Handkes literaturkritischen Schriften („Begleitschreiben“), die von der Mitte der 60er-Jahre bis in die Gegenwart reichen. Es trägt den Titel „Tage und Werke“, der im Journal durch die Lektüre von Hesiods epischem Lehrgedicht „Werke und Tage“ vorbereitet wird, für das Handke schon länger eine Vorliebe hegt. 
Der Band bietet mit seinen Vorreden, Nachwörtern, Polemiken und Widerreden, Essays und frühen Radiorezensionen, Nachrufen und Lobreden (vor allem im Zusammenhang mit dem Petrarca- bzw. Hermann-Lenz-Preis) ein schönes Durcheinander. Glanzstücke sind die ganz frühen und bislang – von der schönen Ausnahme der Konrad-Bayer-Besprechung abgesehen – unpublizierten Rezensionen, die der junge Handke für die Sendung „Bücherecke“ von Radio Steiermark geschrieben hat. 

Die luzideste Selbstkritik darüber hat niemand anderer als Handke selbst verfasst, als er 1973 mit einem langen Aufsatz den Schriftsteller Hermann Lenz der Vergessenheit entrissen hat. 
Er beginnt mit einer Erinnerung an die damalige Kritik von „Die Augen eines Dieners“ und die geht so: „Nichts vergessen … 1965 las ich im Auftrag des österreichischen Rundfunks ,Die Augen eines Dieners‘ von Hermann Lenz. Ohne geübt zu sein, schrieb ich eine halbwegs geübte Kritik, in der, als ich sie vor kurzem wiederlas, nichts von dem vorkam, was ich damals mit dem Buch erlebt hatte; stattdessen ein Vergleich mit Knut Hamsun, der Zuschlag zu einer vertrauten Literaturart und damit der Zuschlag zur Literatur als etwas Vertrautem. Und trotzdem vergaß ich Hermann Lenz nicht […].“ 
Und jetzt die Enttäuschung: Was Handke 1965 über Lenz geschrieben und 1973 wiedergelesen hat, fehlt in „Tage und Werke“. Die eine Seite ist nach eben diesem Wiederlesen verlorengegangen, was nicht gegen den Autor spricht! Nur ein Absatz ist im Sendemanuskript noch erhalten und kann im vorliegenden Band nachgelesen werden. 
Immerhin gibt es erstmals die Möglichkeit, alle diese frühen Besprechungen Handkes nachzulesen. Sie verraten eine funkelnde literarische Intelligenz und ein Markenzeichen: Dieser Autor denkt über die Gattung nach, in der er sich jeweils bewegt. Und so fallen gleich in der ersten Sendung Sätze zur Literaturkritik, die an Dringlichkeit nichts verloren haben: „Die Literaturkritik wertet, für die Bewertung aber besteht in der Sprache nur ein begrenzter Vorrat von Worten; dieser Vorrat schießt automatisch in die Gedanken, wenn die Sprache des zu beurteilenden Textes beurteilt werden soll: das ist es, was die Literaturkritik oft zu einem leeren Geschäft macht.“ 
Die Geburt eines Autors aus analytischer Schärfe und erwärmender Fantasie erfolgt vor den Augen des staunenden Lesers.
Karl Wagner in FALTER 27/2016
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Das muss erzählt werden!

Peter Handkes Notizen der Jahre 2007 bis 2015 erneuern den Traum von einer anderen Zeit

Von Thorsten CarstensenRSS-Newsfeed neuer Artikel von Thorsten Carstensen

Dass Peter Handke neben dem hohen Ton durchaus einen feinen Humor pflegt und Selbstironie gekonnt einzusetzen weiß, wurde schon in den letzten Versuchen über den Stillen Ort (2012) und den Pilznarren (2013) deutlich. In seinen Notizen der Jahre 2007 bis 2015 entwirft Handke von sich nun das Bild des letzten verbliebenen Landstreichers, der durch Haus, Garten, Wiesen und Wälder streift, Ansprachen an die dröhnende Hornisse („Hallo, Horni!“) hält, den morgendlichen Weberknecht als stets gern gesehenen Gast begrüßt, Platten von Johnny Cash auflegt und – denn wer täte dies nicht? – im Vorortrestaurant den Gästen am Nebentisch lauscht. Beim Blick in den eigenen Garten hält er die verlässlichen „Zeitschwellen“ fest: den ersten Zitronenfalter des Jahres, die Hummeln, die gegen die Fenster stupsen, die ersten reifen Frühäpfel im Juli, schließlich das Rissigwerden der Nussschalen. All diese Zeichen und Anflüge von der Peripherie, so der Untertitel des Vor der Baumschattenwand nachts benannten Bandes, reihen sich in jenen persönlichen Alltagsmythos ein, den Handke der politischen Historie mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit entgegensetzt: „Meine Monumente: die Wirbel der Kastanienblüten im Rinnstein; die Sandwirbel in den Straßenbahnschienen.“
Seit Erscheinen des ersten Bandes vor vier Jahrzehnten (Das Gewicht der Welt, 1977) dokumentieren die Journale, in denen Handke Auszüge aus seinen Notizbüchern veröffentlicht, eine auf das Schreiben hin ausgerichtete Lebensführung. Den täglichen Aufzeichnungen liegt das Bedürfnis zugrunde, die Welt anhand der Fantasie und jenseits abstrakter Begrifflichkeiten in epischen Wahrheiten mitteilen zu können. Der Traum eines solchen Erzählens bleibt auch in den jüngsten Notizen des bei Paris lebenden Autors aktuell. So sammelt das Journal programmatische Dialogfetzen, Konstellationen und Wahrnehmungen für ein „Letztes Epos“, welches über die Dörfer in die nordfranzösische Landschaft der Picardie führen und – ähnlich wie bereits Die morawische Nacht (2008) – als reflektierendes Alterswerk Biografie und Schreiben zueinander in Verbindung setzen wird. (Tatsächlich erscheint dieses Buch im Spätherbst dieses Jahres bei Suhrkamp unter dem Titel Die Obstdiebin oder Einfache Fahrt ins Landesinnere.)
Werkgenetische Rückschlüsse erlaubt das Journal außerdem hinsichtlich des Sommerdialogs Die schönen Tage von Aranjuez (2012), wobei etliche Einträge um Fragen der Liebe und das „Fest der Körper“ kreisen. Vor allem aber fällt in die Zeit der Notizen die Arbeit an dem Apfelgarten-Epos Immer noch Sturm (2010), zu dem das Journal zahlreiche kleine Vorstudien liefert. Diese verdeutlichen, wie sehr es Handke danach drängt, die Geschichte der Vorfahren zu erzählen, der „Kuhweiden-, Obstgarten- und Maisackeruntertanen“, die im Traum zu ihm sprechen und deren Zeuge er sein will, ohne dabei eine verdeckte politische Aussage zu formulieren: „Die Moral der Geschichte ist die Geschichte.“ Das Journal führt zurück in die Kindheit, zum Bild der sterbenden Großmutter, zum abendlichen Milchholen beim Nachbarbauern und zum „Entsetzen“ der ersten Stunde im Internat. Und bereits eingangs tauchen auch die beiden Lebensbilder wieder auf, die Handke seit nunmehr fünf Jahrzehnten beständig variiert. „Lang ist’s her, daß ich den Sonntagsmann im schwarzen Anzug und weißen Hemd mit flatternden Hosenbeinen habe gehen sehen am Rand der Landstraße in Oberösterreich. Lang ist’s her, daß ich an der Hand des Großvaters gegangen bin, im Vormorgenlicht angesichts der münzgroßen Regentropfen im Staub des Feldwegs bei Stara Vas.“ Es sind diese Landstraßen- und Feldwegbilder, die als Urszenen und Selbstzitate den größeren Zusammenhang von Handkes Werk fortwährend erneuern.
Damit entsteht der Eindruck eines von seiner erinnerten Herkunft bestimmten Schreiber-Lebens, in dem sich Auf- und Ausbrüche als Wiederholungen der Kindheitslandschaft vollziehen. Und schon die erste Notiz erinnert daran, dass Traum und Trauma eng beisammen liegen: „Der Vaterlose fühlt sich immer im Blickpunkt, im Guten wie im Bösen.“ Nicht zuletzt diese Vaterlosigkeit erklärt wohl auch Handkes Bestreben, sich in ästhetische Traditionen einzuschreiben. Mit seiner epischen Erzählweise, die im Journal in einer Art Selbstgespräch immer wieder auf die Probe gestellt wird, will er den Anschluss an eine epische Ahnenschaft herstellen, zu der er neben dem omnipräsenten Johann Wolfgang Goethe – dessen Rolle für sein Schreiben kaum überschätzt werden kann – Regisseure wie John Ford ebenso rechnet wie den Maler Paul Cézanne oder die Steinmetze des romanischen Mittelalters. Zahlreiche Zitate aus Werken von Baruch de Spinoza, Jakob Böhme, Friedrich Hölderlin, Stendhal, Gershom Scholem, Ilse Aichinger und Patrick Modiano belegen auch in Vor der Baumschattenwand nachts Handkes eklektische Lektüren. Darüber hinaus werden nicht nur die islamischen Mystiker Ibn ʿArabī und Al-Ghazali, der Koran, der arabische Dichter Ibn al-Fārid und der japanische Schriftsteller Kamo no Chōmei für die eigene Poetologie fruchtbar gemacht; sogar die amerikanische Literatur der Nachkriegszeit spielt für Handke, dessen Frühwerk von den Romanen William Faulkners inspiriert war, nun wieder eine Rolle. Während er Raymond Carver zu jenen Autoren rechnet, die das „Geheimnis des Schreibens“ aufs Technische reduzieren und einem „affigen Stilwillen“ nachhängen, wachsen ihm die Texte John Cheevers aus gutem Grund ans Herz: Die Formel „Erzählen als Offenbarung“, die Handke im Zusammenhang mit Cheever verwendet, verweist auf die Ansprüche des eigenen Schreibens.
Auch aufgrund dieser Lesespuren gewährt Handkes Journal Einblicke in eine Poetologie, die vor allen Dingen auf dem Gebot einer empathischen, aber interesselosen Anschauung beruht – einer Wahrnehmung, welche „die monumentale Welt im Kleinen, im Stillen“ aufscheinen lässt. In Handkes Schule des Sehens verbinden sich durch den sogenannten müden Blick die vernachlässigten Alltagsdinge im Umkreis mit den Bildern der Erinnerung: Auf diese Weise können Zusammenhänge freifantasiert werden. Zugleich beharren die Notizen darauf, dass das richtige Lesen der „wahrhaften Literatur“ die Anschauung verstärkt, eine tiefere, entschleunigte Teilhabe an der alltäglichen Gegenwart beschert und den Weg zurück zu den Dingen jenseits der „vergärtnerten“ Natur weist. So schärfen Henry David Thoreaus Reiseberichte aus Maine das Bewusstsein für die Landschaft, für die „Weltgeräusche“ – es ist eine Lektüre, nach der sich das Journal-Ich aufs Neue mit der „Erde unter dem Himmel“, dem „Dasein“ verknüpft sieht.
„Das Staunen wird uns retten“: Indem das Journal einerseits Achtsamkeit für Farben, Geräusche und Gerüche einfordert – wie etwa für „das unvergleichliche Blau des Vergißmeinnicht, heute, jetzt, hier, da, dort“ – und andererseits eine authentische Sprache für diese Momente einer „Anderen Zeit“ einübt, will es der Welt einen literarischen Friedensdiensterweisen. Wenn bei Handke das Salz „aus einer Vorzeitmuschel auf die Tageszeitung“ rieselt, dann erkennt der Leser: Nicht die offensichtlichen Ereignisse, sondern das Geschehen der langen Dauer gilt es erzählend festzuhalten. Denn auch dieser Band trägt mit charakteristischer Lust zur Selbstermahnung eine Maxime vor, die Handkes Werk seit seiner Schreibkrise Ende der siebziger Jahre prägt: „Das ist ja eine Geschichte! Das muß erzählt werden!“

http://literaturkritik.de/handke-vor-der-baumschattenwand-nachts-das-muss-erzaehlt-werden,23709.html
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